Schließung ist für das Ruhrgebiet ein Horror-Szenario
Wenn Opel hustet, ist Bochum krank

Als Opel sich Ende der fünfziger Jahre für den Standort Bochum im Ruhrgebiet entschied, erntete der Konzern eine Menge Spott. Wegen der dreckigen Luft befürchteten Auto-Experten sogar „Lacknarben“ auf den Pressteilen.

DÜSSELDORF. Doch damit war schnell Schluss: Am 10. Oktober 1962 fuhr der erste Wagen, ein Kadett, vom Band. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Strukturpolitisch ein Glücksfall: Der neue Arbeitgeber war mehr als ein Ersatz für die sterbenden Kohlezechen und Hüttenanlagen. Doch löste eine Monostruktur nur die andere ab. Das könnte sich jetzt rächen. Wenn Opel hustet, ist die Region krank, heißt es in Bochum. „Eine Schließung des Opel-Werks wäre eine Katastrophe für die gesamte Region mittleres Ruhrgebiet“, sagte Bochums scheidender Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber (SPD) dem Handelsblatt. Das sei daher kaum vorstellbar. Verheerend sei aber auch die Informationspolitik des Autokonzerns. Dieser versuche mit solchen Gerüchten offenbar die Arbeitnehmerseite bei den Verhandlungen über die Rationalisierungspläne unter Druck zu setzen, um sie gefügiger zu machen.

„Wir können uns eine Schließung des Werks nicht vorstellen“, sagte auch Tillmann Neinhaus, Hauptgeschäftsführer der IHK Bochum. Seit Jahrzehnten würden in Bochum Erfolgsmodelle produziert. Das Werk verfüge zudem über eine ausgezeichnete Infrastruktur. Eine Schließung, aber auch nur eine Betriebseinschränkung wäre mit einem dramatischen Aderlass in der Region verbunden. „Das ist ein Horror-Szenario“, sagte Neinhaus.

Bei Opel seien 9500 Menschen beschäftigt, bei Zulieferern und abhängigen Dienstleistern noch einmal 3000 bis 5000. Der Ausfall eines so großen Arbeitgebers sei beschäftigungspolitisch nicht aufzufangen, ganz zu schweigen von dem Verlust der Kaufkraft.

Keine finanzielle Hilfe ist vom Land Nordrhein-Westfalen zu erwarten. „Wir werden nicht mit öffentlichem Geld winken“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau. Er befürchtet einen „tödlichen Wettlauf“ der Opel-Werke um Subventionen. Das wäre ein Rennen, bei dem alle nur verlieren könnten. Die Politik könne aber auf den Feldern Genehmigungen, Verwaltung, Bürokratie helfen. Geplant ist eine Verbindung von der A44 zur A40, die so genannte Opel-Spange.

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