Schluss mit schmelzenden Kalorienbomben
Schoki auch für Schlanke

Es ist die größte Revolution, seit es Schokolade gibt: Der Schoko-Hersteller Barry Callebaut hat eine neue Kreation geschaffen, die gut schmeckt, aber nicht dick macht. Naschkatzen jubeln. Warum nach sechzig Jahren erfolgloser Forschung jetzt der Durchbruch gelang.

DÜSSELDORF. Um seine neue Aufgabe hatten die Kollegen Hans Vriens nicht beneidet. Schließlich klang der Auftrag für den obersten Innovator des Schweizer Schokoladenherstellers Barry Callebaut wie die Forderung nach der Züchtung einer eierlegenden Wollmilchsau.

Er sollte eine neue Schokolade erfinden, hatten die Chefs ihm mitgeteilt. Wohl munden soll diese, aber nicht die Hüften ihrer Genießer vergolden. Und schon gar nicht in der Hand dahinschmelzen. Das alles natürlich bis zum nächsten Sommer. Hans Vriens hat?s geschafft. Damit schwingt sich ausgerechnet ein Holländer zum Schweizer Schoko-Revoluzzer auf.

Denn seit gestern ist aus Vriens anfänglichem Alptraum ein kleines Märchen für alle Leckermäuler geworden. Vriens hat für den weltgrößten Anbieter von Industrieschokolade genau eine solche Schoki-Mischung entwickelt. Die neueste Erfindung aus der Heimat der Schokolade enthält nur noch zehn Prozent der üblichen Kalorienmenge und schmilzt erst bei 55 Grad Celsius - statt bisher 30 Grad - dahin.

Die Entwicklung gilt jetzt schon als "die größte Revolution, seit es Schokolade gibt", wie gestern die Basler Zeitung in ihrer Online-Ausgabe textete.

Das neue Produkt, nach dem in Wirklichkeit sogar insgesamt 60 Jahre vergeblich geforscht wurde, vereint zwei herausragende Eigenschaften. Erstens : Die erheblich kalorienreduzierte Schokolade entspricht dem weltweiten Bedürfnis der Konsumenten nach gesunder Ernährung, dem sich inzwischen auch Nahrungsmittelmultis wie Nestlé oder Unilever verpflichtet fühlen. Zweitens: Die hohe Schmelztemperatur eröffnet in einem rückläufigen Schokoladenmarkt neue Absatzgebiete in den wärmeren Regionen Südamerikas, Afrikas und Asiens.

Nach Auskunft von Barry Callebaut wird die neue Schokolade derzeit von führenden Süßwarenherstellern getestet. Barry Callebaut, der zuletzt mehr als 4,8 Milliarden Schweizer Franken, also etwa 3,1 Milliarden Euro pro Jahr erlöste und weltweit an 40 Standorten mehr als 7000 Mitarbeiter beschäftigt, beliefert die größten internationalen Süßwarenhersteller wie Nestlé, Kraft Foods oder Cadbury. Naschkatzen mit Blick für die schlanke Linie müssen allerdings noch etwas warten: Bis die Innovation in den Regalen des Handels liegen wird, werden nach Auskunft von Barry Callebaut noch mindesten zwei Jahre vergehen.

Technisch hat Hans Vriens das Problem relativ einfach gelöst: Durch die Zugabe von Luft wird die Schokoladentafel leichter, die Reduzierung von Kakaobutter führt zu weniger Kalorien. Dass sich dahinter kein billiger Werbegag verbirgt, hat Vriens schon bewiesen.

Die ebenfalls von ihm entwickelte "zahnfreundliche" Schokolade wird seit 2008 in Belgien vertrieben, im Jahr 2009 folgte die Einführung von probiotischer Schokolade, die die Abwehrkräfte stärken soll, auf dem US-Markt.

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