„Schmerzhafte Jobverluste“
Bis zu 10 000 Jobs bei Airbus in Gefahr

Auch nach dem Führungswechsel an der Airbus-Spitze steht dem angeschlagenen Flugzeugbauer ein hartes Sanierungsprogramm bevor. Der neue Chef Louis Gallois kündigte am Dienstag „schmerzhafte Jobverluste“ an. Nach einem Zeitungsbericht soll für Hamburg die ersten Maßnahmnen des Sparprogramms bereits am Donnerstag erörtert werden.

HB PARIS. Dem Sparprogramm bei Airbus sollen französischen Medienberichten zufolge fast 10 000 der 56 000 Arbeitsplätze in Europa zum Opfer fallen. Diese Zahl sei Gegenstand eines Abkommens zwischen dem Airbus-Mutterkonzern EADS und Gewerkschaften, berichtete die Zeitung „La Tribune“ am Dienstag auf ihrer Homepage. Der Jobabbau solle über mehrere Jahre gestreckt und ohne Entlassung erreicht werden.

Ein Airbus-Sprecher in Toulouse sagte jedoch, es sei zu früh, um konkrete Zahlen zu nennen. „Das Power8-Programm ist am vergangenen Dienstag entschieden worden, wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses“, sagte David Voskuhl. EADS war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

„Es wird schmerzhaft werden, ja, da es einen Stellenabbau geben wird“, sagte zuvor der 62-jährige Gallois am Dienstag wenige Stunden nach seiner Berufung an die Airbus-Spitze dem französischen Radiosender „Europe 1“. Es werde sicher Rationalisierungen in der Fertigung geben. Selbst die politisch austarierte Produktionsstruktur mit geteilten Endfertigungen in Toulouse und Hamburg soll unter die Lupe genommen werden. „Wir können nicht leben mit zwei Standorten, die sich beide alle Produktionslinien teilen“, sagte er offenkundig mit Blick auf Hamburg und Toulouse. Entscheidungen sollten aber erst in einigen Monaten getroffen werden.

Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ sollen die Maßnahmen aber schneller umgesetzt werden. So sollen erste Maßnahmen für das Hamburger Werk bereits in dieser Woche besprochen werden, berichtet die Zeitung. Dazu treffe sich am Donnerstag die Steuerungsgruppe aus Betriebsräten und Unternehmensführung, um Auswirkungen des Sparprogramms auf die Beschäftigten zu erörtern. Aus dem Umfeld des Unternehmens sei zu erfahren gewesen, dass in Norddeutschland bis zu 1000 Arbeitnehmer betroffen seien. Entlassungen bis zum Jahr 2012 seien ausgeschlossen, doch Streichungen bei den Zeitarbeitern sowie Kurzarbeit in der A380-Produktion seien möglich.

Gallois soll in Personalunion Co-Vorstandsvorsitzender des Mutterkonzerns EADS bleiben und als Airbus-Chef den kriselnden Flugzeughersteller sanieren. Sein Vorgänger an der Spitze von Airbus, Christian Streiff, warf nach nur drei Monaten das Handtuch. Er hatte ein Sparprogramm im Volumen von zwei Mrd. Euro vorgelegt, wollte Airbus aber relativ unabhängig vom Mutterkonzern steuern. Die EADS-Führung bestand nach den Verzögerungen beim doppelstöckigen Airbus A380, die den Konzern bis 2010 fast fünf Mrd. Euro kosten werden, aber auf eine strikte Anbindung.

Gallois, der vor seinem Wechsel zu EADS die französische Staatsbahn SNCF neu ausgerichtet hatte, bezeichnete die das deutsch-französische Gleichgewicht reflektierenden Strukturen bei EADS als „etwas barock“. Dass er nun zugleich EADS-Co-Chef und Chef von Airbus sei, bedeute aber bereits eine erhebliche Vereinfachung, da es zwischen diesen beiden Ebenen keine Konflikte mehr geben könne. Bislang waren die Strukturen bei EADS immer so ausgerichtet, dass ein französischer Top-Manager an einen Deutschen berichtete oder umgekehrt.

Seite 1:

Bis zu 10 000 Jobs bei Airbus in Gefahr

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%