Schmiergeld-Affäre
Razzia bei ehemaliger MAN-Tochter Ferrostaal

Die Schmiergeld-Affäre bei MAN geht in eine neue Runde: Das ehemalige Tochterunternehmen Ferrostaal ist ins Visier der Ermittler geraten. Es gab sogar erste Durchsuchungen und Haftbefehle.

MÜNCHEN. Der Essener Projektentwickler Ferrostaal ist am Mittwoch Ziel einer Durchsuchung der Staatsanwaltschaft geworden. Die Ermittler gingen Korruptionshinweisen im Zusammenhang mit Schiffgeschäften nach. Die Staatsanwaltschaft München erklärte, dass mehrere Geschäftsräume und Privatwohnungen in Essen, Mülheim, Geisenheim, Hamburg und Cuxhaven durchsucht worden sein. Drei Personen seien verhaftet worden, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde, ohne weitere Angaben zu machen. Die Aktion lief bis in die Abendstunden.

Ferrostaal bestätigte die Durchsuchungen. „Ferrostaal wird als nicht-beschuldigter Dritter geführt“, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Das Unternehmen kooperiere voll mit den Behörden. Die Verhafteten seien aber keine Ferrostaal-Mitarbeiter. Der ehemalige Ferrostaal-Mutterkonzern, MAN, wollte sich nicht zu den Durchsuchungen äußern. MAN hat im vergangenen Jahr Ferrostaal an den arabischen Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi verkauft und hält noch dreißig Prozent an dem Projekthaus.

Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks geht es um den Verdacht auf Schmiergeldzahlungen in Höhe von mehr als 15 Mio. Euro.

Das Geld solle unter anderem an zwei Manager der Hamburger Bergungsreederei Harms geflossen sein, die im Gegenzug dafür acht Hochseeschlepper bei der Mützelfeldwerft bestellt haben sollen. An der Cuxhavener Mützelfeldwerft ist die frühere MAN-Tochter Ferrostaal beteiligt.

Der MAN-Konzern in München zieht derweil die Konsequenzen aus dem Schmiergeldskandal in seiner Nutzfahrzeugsparte. Demnach soll eine eigenständige Compliance-Abteilung aufgebaut und mit zusätzlichen Kontrolleuren ausgestattet werden. MAN will zudem Provisionszahlungen an nicht-professionelle Vermittler einstellen und künftig bei Verdacht auf Korruptionsfälle die Staatsanwaltschaft einschalten. Einen entsprechenden „Sofortplan“ des Vorstands begrüßte der Aufsichtsrat unter der Leitung von Ferdinand Piëch.

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