Schmiergeld-Affäre
Schatten holen Siemens ein

Siemens tut sich schwer mit dem Neuanfang. Kaum hatte der Konzern einen neuen Finanzchef für die Industrie-Sparte gefunden, muss er die Ernennung widerrufen. Vorgesehen war Hannes Apitzsch. Doch der wird als Beschuldigter in einer der Schmiergeld-Affären geführt.

HB MÜNCHEN. Apitzsch werde den Posten nicht übernehmen, teilte Siemens in München mit. Der Konzern hatte Apitzsch ernannt, obwohl bekannt war, dass er bei den Ermittlungen um Schmiergeldzahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB als Beschuldigter geführt wird. Dabei setzte der Konzern auf die intensive Überprüfung durch Anwälte und Berater. Nach Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft hieß es nun, Apitzschs Rolle in der Affäre müsse möglicherweise neu bewertet werden.

„Siemens hat den Anspruch, für Spitzenleistung auf höchstem ethischen Niveau zu stehen“, sagte Vorstandschef Peter Löscher laut Mitteilung. Dies sei auch fundamentales Prinzip bei der Ernennung von Führungskräften. Im Konzern hieß es, die Entscheidung, Apitzsch zurückzuziehen, sei auch auf dessen eigenen Wunsch hin erfolgt. Siemens hatte in der vergangenen Woche die Finanzvorstände der drei Sektionen Industrie, Energie und Medizintechnik sowie die Führung der 15 neuen Divisionen ernannt. Die Manager waren zuvor intensiv unter anderem von der Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton überprüft worden.

Deutschlands größter Elektrokonzern wird von einer Reihe von Affären erschüttert. So sollen 1,3 Milliarden Euro in schwarzen Kassen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Für Aufsehen sorgte auch der Skandal um die arbeitgeberfreundliche AUB, die mit Schmiergeld von Siemens als Gegenpol zur IG Metall aufgebaut worden sein soll.

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