Schmiergeld bei U-Boot-Geschäften?: Razzia bei deutschen Rüstungsfirmen

Schmiergeld bei U-Boot-Geschäften?Razzia bei deutschen Rüstungsfirmen

Wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen bei U-Boot-Geschäften mit Griechenland hat die Staatsanwaltschaft die Zentralen zweier deutscher Rüstungsfirmen durchsucht. Es geht um einen zweistelligen Millionen-Betrag.
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Ermittler haben im Zusammenhang mit mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen bei Rüstungsgeschäften mit der griechischen Regierung diese Woche die Zentralen der deutschen Rüstungsfirmen Rheinmetall-Defence-Electronics und Atlas Elektronik in Bremen und Wedel durchsucht. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Samstagsausgabe.

Laut dem Blatt verdächtigt die Staatsanwaltschaft Bremen, dass die beiden Unternehmen griechische Amtsträger bestochen und Steuern hinterzogen haben. Dabei geht es um einen nicht unerheblichen Betrag: Jeweils rund neun Millionen Euro Schmiergeld sollen die beiden Firmen nach Angaben der Staatsanwaltschaft gezahlt haben.

EADS und Thyssen-Krupp, die gemeinsam Atlas Elektronik betreiben, bestätigten der „SZ“ dass ihre Tochterfirma am Dienstag untersucht worden war. Ein Sprecher von Rheinmetall-Defence wird in dem Bericht zitiert, die Anschuldigungen „entbehren jeder Grundlage“.

Die Vorgänge, die die Staatsanwaltschaft jetzt untersucht, liegen offenbar schon einige Jahre zurück. Die Überweisungen, die jetzt als angebliche Schmiergeldzahlung gewertet werden, gehen laut dem Zeitungsbericht auf einen Beratervertrag von 2002 zurück – dabei hatten EADS und Thyssen-Krupp den Spezialisten für Elektronik für Seestreitkräfte erst im Jahr 2006 von der britischen Rüstungsfirma BAE gekauft.

EADS und Thyssen-Krupp hatten die Spezialfirma aus Bremen, die als einer der bedeutendsten Anbieter von gilt, im Jahr 2006 vom britischen Rüstungsbetrieb BAE gekauft. Außer dem Spezialwissen von Atlas haben EADS und Thyssen-Krupp jedoch offenbar auch Altlasten erworben. Die angeblichen Schmiergeldzahlungen, denen die Staatsanwälte nachgehen, sollen weit zurückreichen. Nach der Übernahme haben die neuen Eigentümer nach „SZ“-Informationen 2007 die Zahlungen an eine britische Briefkastenfirma eingestellt, die einem griechischen Unternehmen gehört. 2010 will Atlas dann die Staatsanwaltschaft über die Zahlungen informiert haben.

Ins Rollen brachte die aktuellen Ermittlungen jedoch erst eine steuerliche Betriebsprüfung bei Rheinmetall-Defence im vergangenen Jahr.

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  • Wieso Razzien? Wir werfen den Griechen doch ohne Bedingungen Geld laufend, auch in Zukunft hinterher. Schließlich geht es auch um deutsche Arbeitsplätze! Ist diesmal auch dieses unerwünscht, weil um Deutsche geht?

  • Was sich in den letzten hundert Jahren alles abgesoielt hat auf dieser (doch so schönen Erde ) und dann noch von " Menschen" ist einfach zum Kotzen !

  • Im griechischen Staatsapparat läuft nichts ohne Fakelaki, das istdoch nun hinlänglich bekannt.
    Es gibt in Europa laut Transparency International keinen korrupteren Staat als Griechenland.

    Was sind also nun die staatsanwaltschaftlichen Aktionen in Griechenland ?????

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