Schmiergeld-Ermittlungen
Ferrostaal-Affäre zieht sich hin

Bei Ferrostaal hoffte man bislang auf einen Abschluss der Ermittlungen bis November - doch daraus wird offenbar nichts. Die Staatsanwaltschaft dürfte erst 2011 in der Schmiergeldaffäre entscheiden. Dadurch lässt sich der Zeitplan von MAN für den Rückzug wohl nicht halten.
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FRANKFURT. Der Industriedienstleister Ferrostaal muss seine Hoffnungen auf eine schnelle Einigung mit der Staatsanwaltschaft begraben. Die Ermittlungen in der Schmiergeldaffäre werden sich bis in das kommende Jahr ziehen, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld der Unternehmen.

Ferrostaal und seine Eigentümer - die arabische Fondsgesellschaft IPIC und MAN - hatten bislang auf einen Abschluss in diesem November gehofft. Die endgültige Trennung des Münchener MAN-Konzerns von seiner früheren Tochter Ferrostaal wird sich damit weiter verzögern.

Ferrostaal beschäftigt weltweit die Ermittler. Verfahren laufen unter anderem in Griechenland, Südafrika, Argentinien und Portugal. Dubios ist vor allem ein Geschäft mit Unterseebooten und anderen Marineeinheiten, bei denen Schmiergeld geflossen sein soll.

Araber fühlen sich getäuscht

Die Staatsanwaltschaft München und die Unternehmen lehnten einen Kommentar dazu ab. "Die Ermittlungen laufen noch", sagte eine Justizsprecherin. Grund für die aus Sicht der Unternehmen erfolgte Verzögerung sind zum einen der Umfang der Schmiergeldaffäre wie auch die Ermittlungen in anderen Ländern, berichten Insider.

Wegen der Schmiergeldaffäre waren die Gespräche zwischen dem Mehrheitseigner International Petroleum Investment Company (IPIC) und MAN über einen Erwerb der Restbeteiligung ins Stocken geraten. Der Nutzfahrzeugkonzern hat eine Verkaufsoption für 30 Prozent seiner früheren Tochter gezogen. Die Araber weigern sich jedoch, den Anteil zu übernehmen. IPIC sieht sich getäuscht, da MAN ihnen nicht alle Fakten über das Ausmaß des Schmiergeldskandals auf den Tisch gelegt haben soll.

Mit einer Klage vor einem Schiedsgericht haben die Araber sogar die Grundlage für eine Rückabwicklung des Deals gelegt. Laut einem von IPIC bei der Frankfurter Kanzlei Schmitz & Partner in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten kommen die Juristen zu dem Schluss, dass MAN beim Verkauf der Ferrostaal-Mehrheit wichtige Informationen zurückgehalten habe.

MAN weist das zurück; die Münchener wollen so schnell wie möglich das Kapitel Ferrostaal beenden. Sie hatten daher auf einen Vergleich mit der Staatsanwaltschaft im November gehofft, der Verkauf hätte dann noch in diesem Jahr über die Bühne gehen können.

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