Schmiergeld-Skandal
Ermittler haben deutsche Autozulieferer im Verdacht

Die Liste der Automobilzulieferer, die Schmiergeldzahlungen an Einkäufer von Autoherstellern geleistet haben sollen, wird länger. Neben französischen und US-amerikanischen tauchen auch immer mehr deutsche Namen auf. Eine Spur führt zudem nach Österreich.

hof/HB FRANKFURT. Nachdem die Staatsanwaltschaft bislang nur die französische Firma Faurecia namentlich genannt hatte, bestätigte der Münchner Staatsanwalt Anton Winkler nun auch, dass gegen den US-Zulieferer Lear, ebenfalls Hersteller von Interieur-Komponenten, ermittelt wird. Bislang sind zusätzlich anscheinend die deutschen Mittelständler Grammer, Dräxlmeier, M&H sowie Akt im Visier der Ermittler. Weitere Namen wurden nicht genannt.

Nach einem Bericht der „Salzburger Nachrichten“ ist auch der große österreichische Autozulieferer Magna International in den Skandal verwickelt. Wie das Blatt in seiner Ausgabe vom Mittwoch meldet, bestätigte Magna-Sprecher Daniel Witzani der Zeitung, dass im Zusammenhang mit der BMW-Schmiergeldaffäre gegen einen Mitarbeiter der Münchener Niederlassung ermittelt werde. Am vergangenen Freitag hatte Magna, ein Unternehmen des österreichisch-kanadischen Milliardärs Frank Stronach, zunächst bestritten, in den Skandal verwickelt zu sein. Dieses Dementi, so sagte Witzani der Zeitung, habe sich aber lediglich auf eine Verwicklung in die Fälle VW und Audi bezogen.

Bei der Affäre geht es um jahrelange Schmiergeldzahlungen an Einkäufer von BMW, Audi und VW. Dabei soll allein Faurecia jährlich Summen zwischen 600 000 und 800 000 Euro ausgegeben haben, um sich Aufträge der Autobauer zu erschleichen. Die prominenteste Person in der Affäre ist bislang der Chef der französischen Peugeot-Citroën-Tochter Faurecia, Pierre Lévi. Er hat laut Staatsanwaltschaft bereits gestanden, von den Bestechungspraktiken gewusst zu haben. Seine Ablösung an der Faurecia-Spitze wird in den nächsten Tagen erwartet, nachdem der VW-Konzern als zweitgrößter Kunde die Zusammenarbeit mit ihm aufgekündigt hat.

In die Affäre sind nach Angaben der Staatsanwaltschaften in Frankfurt und München elf Firmen verstrickt. Auch auf der Seite der betroffenen Autohersteller könnten noch weitere Namen dazu kommen, hat der Frankfurter Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel angedeutet. Der VW-Konzern hat Anzeige erstattet und will sich den Schaden ersetzen lassen. Zwei Manager, ein Audi-Einkäufer und ein Faurecia-Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft.

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