Schmiergeldaffäre
Anleger verklagt Siemens

Die Affäre um schwarze Kassen im Technikkonzern Siemens zieht in den USA juristische Kreise. Nach Informationen des Handelsblatts hat ein amerikanischer Siemens-Aktionär den gesamten Vorstand und Aufsichtsrat der Siemens AG verklagt. Auch ehemalige Siemens-Vorstände und Aufsichtsräte sind betroffen, darunter Josef Ackermann.

cha MÜNCHEN. Josef Ackermann hat vor einigen Tagen Post von Siemens erhalten. Die Rechtsabteilung des Konzerns weist darin den Siemens-Aufsichtsrat, der Hauptberuflich die Deutsche Bank führt, darauf hin, dass er damit rechnen muss, bei einem Besuch des US-Bundesstaates New York an der Grenzkontrolle ein Schriftstück präsentiert zu bekommen. Dessen Inhalt: die Klageschrift eines Siemens-Aktionärs gegen Vorstand und Aufsichtsrat des Münchener Technik-Riesen.

Damit hat der Skandal um schwarze Kassen im Siemens-Telefonbereich Com eine neue, spezifisch amerikanische Dimension erhalten. Der amerikanische Siemens-Aktionär Robert Johnson, in Florida beheimatet, verklagt die gesamte Führung von Siemens auf Schadensersatz. Er tut dieses stellvertretend für die Siemens AG und wirft der Führung des Unternehmens schwere Pflichtverletzungen vor.

Siemens wollte die Klage gestern offiziell nicht kommentieren. Klar aber ist, dass das Verfahren das Unternehmen nicht unvorbereitet trifft. Denn derartige „Shareholder Derivative Suits“ sind in den USA sehr populäre Instrumente, um Verstöße gegen die Grundsätze der Unternehmensführung (Corporate Governance) zu attackieren. Dabei tritt der Aktionär im Namen der geschädigten Firma auf und klagt auf Schadenersatz für die Firma. Mit im Boot sind oft prominente Anwaltskanzleien, die es auf die üppigen Prozesskostenerstattung abgesehen haben.

Denn es gehört zu den Spezialitäten des US-Rechts, dass derartige Fälle zumeist ohne Richterspruch beendet werde. So haben auch die im Falle Siemens Beklagten – darunter Thyssen-Krupp-Oberaufseher Gerhard Cromme oder der Aufsichtsratschef der Allianz, Henning Schulte-Noelle – in ihrer Eigenschaft als Siemens-Aufsichtsräte keinen Grund, wirklich besorgt zu sein. Ein Schlag für das Image von Siemens in USA bedeutet die Klage dennoch.

Nach Angaben aus amerikanischen Justizkreisen sind derartige Verfahren sehr populär. Jüngst mussten sich Boeing und der Computerkonzern HP mit vergleichbaren Klagen auseinander setzen. HP zahlte 14,5 Mill. Dollar, um das Verfahren zu beenden. Im Durchschnitt kosten derartige Verfahren in Amerika etwa vier Mill. Dollar. In Einzelfällen kann es aber auch sehr teuer werden: So kostete ein entsprechender Prozess den US-Konzern Cendant 54 Mill. Dollar.

Zur Begründung seiner Klage zieht der Siemens-Aktionär die Pflichtveröffentlichungen von Siemens an die US-Börsenaufsicht SEC und zahlreiche Presseberichte heran und verlangt vom Management Wiedergutmachung für die Pflichtverletzungen, die dem Unternehmen Schäden von Hunderten von Millionen Dollar verursacht hätten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%