Industrie

_

Schmiergeldaffäre: Ex-Siemens-Vorstände im Visier der Athener Justiz

Griechenlands Justiz ermittelt gegen hochrangige, ehemalige Siemens-Manager. Der Vorwurf: Bestechung und Geldwäsche. Ihnen drohen hohe Haftstrafen. Doch das Verfahren selbst gerät ins Zwielicht.

Polizisten vor einem griechischen Gefängnis: Deutschen Managern drohen hohe Haftstrafen. Quelle: dpa
Polizisten vor einem griechischen Gefängnis: Deutschen Managern drohen hohe Haftstrafen. Quelle: dpa

AthenEinen „roten Teppich“ werde er ausländischen Investoren ausrollen, versprach Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras kürzlich im Handelsblatt-Interview. Für eine ganze Reihe früherer Siemens-Manager gilt das allerdings nicht. Sie werden demnächst eine Vorladung des Athener Oberlandesgerichts bekommen. Im Prozess um die Schmiergeldpraktiken des Konzerns sollen sie als Beschuldigte vernommen werden – unter ihnen dem Vernehmen nach auch der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

Anzeige

Es geht um den Vorwurf der gemeinschaftlichen aktiven Bestechung in einem besonders schweren Fall und die Legalisierung von Einnahmen aus krimineller Tätigkeit, also Geldwäsche. Bei einem Schuldspruch könnte den Betroffenen in Griechenland lebenslange Haft drohen.

Siemens

Eine lähmende Bürokratie, ein korrupter Staatsapparat, willkürliche Finanzämter: Die Liste der Beschwerden ausländischer Investoren in Griechenland ist lang. Davon konnte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Treffen mit Unternehmern während ihres jüngsten Athen-Besuchs überzeugen. Vor allem bei der Rechtssicherheit hapere es in Griechenland, sagen viele Manager. 

Wie unberechenbar die griechische Justiz sein kann, erfährt der frühere Siemens-Vorstand Volker Jung. 2006 geriet er ins Fadenkreuz hellenischer Strafverfolger: Als ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrats der griechischen Siemens-Tochter sollte er sich zu den Bestechungsvorwürfen gegen Siemens Hellas äußern. Das Unternehmen hatte sich über viele Jahre hinweg in Griechenland mit Schmiergeldern lukrative Staatsaufträge gesichert.

Zwischenbilanz der Ära Löscher

  • Siemens 2007 und 2011 in Zahlen

    Was hat Peter Löscher als Siemens-Vorstandschef bisher erreicht? Die wichtigsten Zahlen aus den Geschäftsberichten 2007 und 2011 im Vergleich.

  • Umsatz

    Umsatz des gesamten Konzerns 2007: 72,5 Milliarden Euro

    2011: 73,5 Milliarden Euro

  • Umsatz in Asien

    Erlöse in Asien 2007: 10,9 Milliarden Euro

    2011: 14,4 Milliarden Euro

  • Gewinn nach Steuern:

    2007: 4,0 Milliarden Euro

    2011: 6,3 Milliarden Euro

  • Dividende

    Dividende je Aktie 2007: 1,60 Euro

    2011: 3,00 Euro

  • Aktienkurs

    Aktienkurs 2007 (Jahresdurchschnitt): 96,42 Euro

    2011: 68,12 Euro

  • Börsenwert

    Unternehmenswert an der Börse 2007: 88 Milliarden Euro

    2011: 59,5 Milliarden Euro

  • Mitarbeiterzahl

    Mitarbeiter im Siemenskonzern insgesamt 2007: 471.000

    2011: 402.000

  • Hauptaktionäre

    Hauptaktionäre 2011: Die Familie von Siemens hält sechs Prozent, der US-Vermögensverwalter Blackrock fünf Prozent.

Im Juni 2009 lud die Justiz Jung zur Vernehmung. Der Ex-Manager reiste aus München nach Athen an – und wurde prompt festgesetzt. Fast 18 Monate musste der gesundheitlich angeschlagene Jung in seinem ungeheizten Ferienhaus auf der Kykladeninsel Paros im Inselarrest ausharren, sich regelmäßig bei der Polizei melden. Nachdem mehrere Anträge auf Aufhebung des Ausreiseverbots und Einstellung des Strafverfahrens abgelehnt wurden, setzte sich Jung im November 2010 nach Deutschland ab.

Die griechische Justiz erließ daraufhin einen internationalen Haftbefehl. Deutschland vollstreckt ihn zwar nicht, aber selbst bei einem Ausflug ins benachbarte Österreich müsste der 73-Jährige damit rechnen, festgenommen und an Griechenland ausgeliefert zu werden – etwa wenn er in eine Verkehrskontrolle gerät.

  • 23.10.2012, 17:07 Uhrseppalino

    Sie bevorzugen demnach die Türkei, dort möchte ich allerdings nicht eingebunkert werden....

  • 23.10.2012, 12:30 UhrDelinix

    @Kroisos
    Korrektur:
    es muss natürlich heißen: "... zur Unanständigkeit...".
    Pardon.

  • 23.10.2012, 12:27 UhrDelinix

    @jetzt-red-i
    Dies ist nur eine recht kleine Auswahl derjenigen griechischen Politiker, die in der letzten Zeit Geld auf ausländische Konten verschoben haben. Bezeichnenderweise handelt es sich dabei überwiegend um ausgerechnet die Personen, die zuvor die Bevölkerung gebeten hatten, ihr Geld auf griech. Banken zu lassen.
    An der Liste, die noch nicht vollständig ist, wird weiter gearbeitet. Den bisherigen Stand können Sie z.B. hier einsehen:
    http://ksipnistere.blogspot.gr/2012/10/blog-post_8079.html
    Bitte klicken Sie ggfs. auf die Google-Übersetzungsfunktion.

    Ich war so frei, Mehrfachüberweisungen aufzuaddieren.

    • Avramopoulos Dimitrios, ehemaliger Vize u. Außenminister von Samaras, 120.333,22 €
    • Antonaros Evangelos, ehemaliger Regierungssprecher von Papandreou (PASOK), 276.889,- €
    • Venizelos Evangelos u, Ehegattin, Regierungsmitglied u. ehemals Finanzminister 2.847.190,58 €
    • Genimata Fotini, jetziges Regierungsmitglied 115.106,42 €
    • Karamanlis Kostas u. Ehegattin, ehemals Premier, 85.306,590 €
    • Kouvelis Fotis u. Verwandtschaft, Demokratische Linke, Regierungsmitglied 48.061,220 USD
    • Kouvelis Fotis u. Verwandschaft, Demokratische Linke, Regierungsmitglied 652.604,82 €
    • Meimarakis Evangelos, ehemaliger Minister u. jetziger Regierungssprecher 149.665,62 €
    • Bakogianni Dora u. Ehemann, ehemals Ministerin 733.074,51 USD
    • Bakogianni Dora u. Ehemann, ehemals Ministerin 1.701.473,98 €
    • Pangkalos Theodoros, ehemals Papandreou-Vize u. Minister, 51.835,960 €
    • Petalotis Georgios, Ehemals Papandreou-Regierungssprecher u. Ehegattin 389.000,- €
    • Samaras Antonios, jetziger Ministerpräsident, 285.467,000 €
    • Chatzidakis Kostas, jetziger Minister 220.000,- €

  • Die aktuellen Top-Themen
Josef Ackermann: „Ich will nicht Siemens-Aufsichtsratschef werden“

„Ich will nicht Siemens-Aufsichtsratschef werden“

Josef Ackermann will kein Königsmörder sein: Der ehemalige Deutsche Bank-Chef dementiert Gerüchte, er wolle Gerhard Cromme von der Position des Chef-Kontrolleurs verdrängen. In München steht man zu Cromme.

EU-Klimaauflage: China wehrt sich gegen C02-Abgabe für Fluglinien

China wehrt sich gegen C02-Abgabe für Fluglinien

Ausländische Airlines, die in der EU Landen wollen, müssen eine Klimaabgabe leisten. In Peking kommt die Auflage nicht gut an, im Gegenteil. Das Land pocht auf seinen Status als Entwicklungsland und will Fördergelder.

Bürgerkonto: Große Nachfrage nach Girokonto für Jedermann

Große Nachfrage nach Girokonto für Jedermann

Wer eine eher geringe Kreditwürdigkeit vorzuweisen hat, kann mit dem Bürgerkonto ein Girokonto bekommen, das nur Guthaben ausgibt. Die Nachfrage nach dem schon 195 eingeführten Konto ist stetig gestiegen.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR UNTERNEHMENS-VERKAUF UND UNTERNEHMENSNACHFOLGE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.