Schmiergeldaffäre in Autoindustrie
Faurecia-Chef dürfte mit Geldstrafe davonkommen

Vor einem Jahr hatte eine Schmiergeldaffäre die deutsche Autoindustrie erschüttert – von VW über Audi bis BMW. Mitarbeiter des französischen Autozulieferers Faurecia hatten reihenweise Einkäufer bestochen. Nun deutet sich eine erste Verurteilung an. Sie dürfte milde ausfallen.

HB FRANKFURT. Der frühere Firmenchef von Faurecia, Pierre Lévi, soll gegen Zahlung von 300 000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr Haft bekommen. Einen entsprechenden Strafbefehl hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag beim Amtsgericht beantragt. Die Anwältin Lévis hat nach Angaben der Ermittler bereits Einverständnis signalisiert. Dem Ex-Manager wird Beihilfe zur Bestechung vorgeworfen.

Mit seiner Billigung sollen Faurecia-Mitarbeiter seit 2001 insgesamt 1,25 Mill. Euro an Einkäufer von VW, Audi, BMW und Seat gezahlt haben, um an Aufträge zu kommen. Auch in den Jahren zuvor soll Geld geflossen sein. Neben Barem spendierte Faurecia den Einkäufern Möbel, Urlaubsreisen und Jobs zum Beispiel für eine Freundin.

Die Justizbehörde betrachtet den Fall nicht als Einzelfall, sondern geht davon aus, dass Schmiergeldzahlungen in der Autoindustrie – ähnlich wie in der Baubranche – an der Tagesordnung sind. Die Staatsanwälte ermitteln derzeit gegen 22 weitere Beschuldigte von elf Zulieferern und drei Autoherstellern. Faurecia war als einer der zehn größten Autozulieferer weltweit der prominenteste Branchenvertreter; auch kleinere deutsche Zulieferer sind ins Visier der Ermittler geraten.

Geringes Strafmaß

Die Justizbehörde bezeichnete das Strafmaß für den geständigen Manager als „vergleichsweise gering“. Grund dafür sei der Umstand, dass Lévi nicht der Initiator des Schmiergeldsystems gewesen sei. Zudem habe der Manager weder persönlich von den Taten profitiert, noch habe man ihm einen konkreten Untreueschaden bei den betroffenen Autoherstellern nachweisen können.

Der 52-jährige Lévi hatte unter dem Druck der Ermittlungen im August 2006 seinen Chefposten bei der Tochter des Autokonzerns PSA Peugeot Citroen geräumt. „Lévi war geständig, so dass das Verfahren zügig abgeschlossen werden konnte“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Doris Möller-Scheu. Man werde nun keine Klage erheben, der Prozess bleibe Lévi erspart.

In der Korruptionsaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit zwei Jahren. Drei Tatverdächtige – zwei Mitarbeiter von Faurecia sowie ein VW-Beschäftigter – waren im Juli 2006 vorübergehend in Untersuchungshaft genommen worden. Wann es bei den restlichen Beschuldigten zu Entscheidungen über eine Anklage komme, sei völlig offen, hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%