Schmiergeldaffäre
Siemens-Aufsichtsratschef Pierer tritt zurück

Nach wochenlangem Druck wegen der Schmiergeldaffäre hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG Heinrich von Pierer seinen Rücktritt erklärt. Das System schwarzer Kassen fiel in seine Zeit als Vorstandschef. Ein Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats ist bereits auserkoren.

HB MÜNCHEN. Siemens teilte mit, Pierer stelle sein Amt mit Beginn der Sitzung des Aufsichtsrats am 25. April 2007 zur Verfügung. Für den Rest der laufenden Amtsperiode bis zur nächsten Hauptversammlung im Januar 2008 solle der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, die Funktion übernehmen. Cromme ist bisher einfaches Mitglied des Aufsichtsrats. Siemens ließ offen, ob Cromme als Übergangslösung gedacht ist oder auf Dauer dem Kontrolleursgremium vorstehen soll. Für Pierer rücke der als Ersatzmitglied gewählte Michael Mirow in das Gremium nach, der bis 2002 in der Siemens-Zentrale für die strategische Unternehmensentwicklung zuständig gewesen sei.

Die Ad-Hoc-Meldung von Siemens für die Finanzmärkte enthält zudem eine persönliche Stellungnahme Pierers. Er schreibt, er habe immer die Überzeugung vertreten, „dass die Pflicht gegenüber dem Unternehmen und seinen weit mehr als 400 000 Mitarbeitern in aller Welt Vorrang vor eigenen Interessen haben muss.“ Eine persönliche Verantwortung mit Blick auf die laufenden Ermittlungen in der Schmiergeldaffäre sei jedoch nicht Grundlage seiner Entscheidung gewesen. Pierer weiter: „Ich gehe davon aus, dass die Neubesetzung des Aufsichtsratsvorsitzes auch einen Beitrag leisten wird, unser Unternehmen allmählich wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.“

Pierer hatte bisher persönliche Konsequenzen strikt abgelehnt, obwohl das System schwarzer Kassen beim Traditionskonzern in seiner Zeit Vorstandsvorsitzender aufgebaut worden war. Pierer war lange Zeit einer der angesehensten Manager in Deutschland. Allerdings waren zuletzt Forderungen nach seinem Rücktritt laut geworden. Auch in Aufsichtsratskreisen war ihm ein Rückzug nahe gelegt worden. Aktionärsschützer hatten bezweifelt, ob Pierer der richtige Mann ist, um als Aufsichtsratsvorsitzender eine Affäre aufzuklären, die in seine Zeit als Vorstandschef fällt.

Auch Cromme war bereits öfter als möglicher Nachfolger genannt worden. Er gehört seit 2003 dem Siemens-Aufsichtsrat an und leitet den Prüfungsausschuss, der die Aufklärung der Korruptionsaffäre steuert. Er ist zudem Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%