Schmiergeldprozess
Landgericht verurteilt Ex-Siemens-Manager

Im ersten Siemens-Schmiergeldprozess ist der Angeklagte noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Doch der ehemalige Siemens-Manager Reinhard Siekaczek muss auch in die eigene Tasche greifen.

Das Landgericht München verurteilte Siekaczek heute wegen Untreue in 49 Fällen zu einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von 108 000 Euro. Für den letzten Tag hat sich der Ex-Manager noch einmal fein gemacht. Erstmals in diesem Verfahren trägt er eine Krawatte zum blauen Hemd. Das offene Hemd sei ihm in einem Zeitungsartikel als mangelnder Respekt vor dem Gericht ausgelegt worden, sagt er. Das aber will er sich nicht nachsagen lassen und hat am Morgen die Krawatte umgebunden - erstmals seit Jahren, berichtet er.

Siekaczek demonstriert Zuversicht. Ein Lächeln für die Fotografen, ein Plausch mit seinem Antwalt, an diesem sonnigen Sommertag soll nichts mehr schiefgehen. Dennoch ist ihm die Anspannung natürlich anzumerken. Manchmal wirkt das Lächeln etwas schmerzhaft. "Natürlich bin ich froh, wenn alles vorbei ist."

Als dann Richter Noll um 9.37 Uhr das Urteil spricht - und das Wort Bewährung fällt -, lässt sich Siekaczek seine Erleichterung nicht anmerken. Konzentriert lauscht er der Begründung von Richter Peter Noll, der noch einmal ausführt, wie perfide das Scheinfirmengeflecht bei Siemens ausgestaltet war.

Noll sprach kein gutes Urteil über die alte Siemens-Führung. Es habe in Deutschlands größtem Technologiekonzern ein "weithin erodiertes Rechtsbewusstsein" gegeben, sagte er in seiner Urteilsbegründung. Siekaczek sei ein Rädchen im System gewesen. Als alter Siemensianer sei er loyal zu seiner Firma gewesen. "Vor diesem Hintergrund relativiert sich die persönliche Schuld." Es sei nicht Aufgabe des Gerichts, ein Exempel zu statuieren.

Seit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft hatte Siekaczek auf Milde hoffen dürfen. Vier Jahre Haft wären seinen Vergehen eigentlich angemessen gewesen, hielt ihm Staatsanwältin Nora Kaiser vor. Doch an einer Gefängnisstrafe war in diesem Verfahren eigentlich niemand interessiert. Zu groß war die Kooperationsbereitschaft Siekaczeks, zu viel hatte er beigetragen zur Aufklärung der Affäre. So hatte denn auch die Staatsanwaltschaft für zwei Jahre auf Bewährung plädiert.

Der Prozess gegen Siekaczek war nur das erste Verfahren in Deutschlands größten Schmiergeldskandal. Unzählige werden folgen. Noch in diesem Jahr sind zwei bis drei weitere Anklagen geplant. Insgesamt gibt es in dem Verfahren rund 300 Beschuldigte.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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