Schmiergeldskandal
Zeuge belastet Siemens-Spitze

Die Behauptung der ehemaligen Siemens-Führungsspitze, vom Schmiergeldsystem im eigenen Konzern nichts gewusst zu haben, gerät ins Wanken. Einem Medienbericht zufolge äußerte der ehemalige Anti-Korruptionsbeauftragte des Unternehmens gegenüber der Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Vorgesetzten.

HB MÜNCHEN. Im Korruptionsskandal bei Siemens soll die frühere Konzernspitze nach einem Zeitungsbericht entgegen ihren Angaben doch deutliche Hinweise auf ein Schmiergeldsystem und große Mängel im internen Kontrollsystem gehabt haben. Der frühere Anti-Korruptionsbeauftragte des Unternehmens, Albrecht Schäfer, sagte nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag bei der Staatsanwaltschaft als Zeuge aus, er habe Mitglieder des damaligen Zentralvorstandes bereits im November 2003 über heftige Vorwürfe der italienischen Justiz an die Adresse von Siemens informiert.

Schäfer sagte dem Bericht zufolge, er habe den Vorständen schon damals unter anderem mitgeteilt, ein Mailänder Gericht vertrete die Auffassung, der Siemens-Konzern betrachte Schmiergeldzahlungen als mögliche unternehmerische Strategie. Die italienische Justiz war einem Schmiergeldfall in der Kraftwerkssparte nachgegangen. Siemens hatte sich zwischen 1999 und 2002 mit Schmiergeldzahlungen in Höhe von sechs Mill. Euro einen Auftrag des italienischen Konzerns Enel für Gasturbinen im Wert von 338 Mill. Euro verschafft. Inzwischen wurden in Italien und Deutschland mehrere Manager von Enel und Siemens wegen Korruption verurteilt.

Schäfer sagte der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge bei der Staatsanwaltschaft als Zeuge aus, er habe im November 2003 drei Vorständen und weiteren Managern detaillierte Informationen der Mailänder Staatsanwaltschaft über schwarze Kassen in Liechtenstein und Dubai gegeben.

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