Schmusekurs
GM Chef Henderson besucht Opel bereits am Montag

General Motors reicht Opel die Hand: GM-Chef Fritz Henderson trifft bereits am Montag in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim ein, um erste Spitzengespräche mit den Managern des Autokonzerns und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz zu führen. Strittige Themen gibt es zuhauf.
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FRANKFURT/BERLIN. Nach dem Abgang von GM-Europaboss Carl-Peter Forster herrscht bei Opel ein Machtvakuum, das Henderson füllen muss. Nach Informationen aus Konzernkreisen suchen die Amerikaner bereits extern nach einem neuen Mr. Opel, der möglichst aus Deutschland kommen soll, um die Arbeitnehmer zu beruhigen.

Um keine Zeit bei der Sanierung der angeschlagenen Europa-Tochter zu verlieren, rückt der US-Konzern aber vorerst mit seiner alten Garde unter Führung des 77-jährigen Bob Lutz bei Opel ein. Nach Informationen aus dem Konzern soll der Haudegen Lutz den Opel-Aufsichtsratsvorsitz übernehmen, der aus Großbritannien stammende GM-Manager David "Nick" Reilly als Zwischenlösung den Opel-Chefsessel.

Erst Mitte vergangener Woche hatten die Amerikaner überraschend den geplanten Verkauf von Opel an ein Konsortium um Magna und die russische Sberbank abgesagt und sich für einen Verbleib der Marke unter dem Konzerndach entschieden. Die deutsche Politik reagierte pikiert. Und in der Opel-Treuhand, die im Auftrag von Bund und Ländern mit den Amerikanern verhandelt, zeigen sich Auflösungserscheinungen. Nach der Ablösung des Beirats-Mitglieds Dirk Pfeil legte am Wochenende auch der andere deutsche Vertreter in der Treuhand, Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer, sein Amt nieder. Er habe den Eindruck, dass das Gremium zu starker politischer Einflussnahme ausgesetzt sei, sagte Wennemer.

Ungeklärt bleibt vorerst die weitere Finanzierung von Opel. Sowohl Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) äußerten am Wochenende deutliche Vorbehalte gegen öffentliche Hilfen und mahnten umgehend ein Zukunftskonzept an.

Das GM-Management geht in den nächsten Tagen auch auf die Bundesregierung zu. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen ist am Mittwoch ein Treffen zwischen GM-Verhandlungsführer John Smith und dem zuständigen Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums, Jochen Homann, geplant. GM-Boss Fritz Henderson hat angekündigt, dass die Amerikaner Deutschland und die übrigen europäischen Regierungen sehr bald über ihre neuen Pläne informieren würden. Insgesamt strebt GM nach eigenen Angaben nach Staatshilfen in Höhe von rund drei Mrd. Euro. Sprecher von Opel, Bundeswirtschaftsministerium und GM wollten dazu keine Stellung nehmen.

In der deutschen Politik wächst der Widerstand gegen weitere Hilfen für die Rüsselsheimer. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) äußerte sich skeptisch zu staatlichen Hilfen für den angeschlagenen Autobauer. „Mit Interventionen in den Wirtschaftsprozess sollte sich der Staat grundsätzlich zurückhalten“, sagte Brüderle der „Wirtschaftswoche“. „Wie es ausgeht, wenn sich die Politik zu Wahlkampfzwecken in unternehmerische Belange einmischt, hat das Beispiel Opel ja gerade noch einmal eindrücklich vor Augen geführt.“ GM könne zwar wie jedes andere Unternehmen auch Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland beantragen, es gebe aber „kein Anrecht auf staatliche Hilfe“.

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  • ich frage mich, wieso jeder Hr. Dudenhöffer zitiert. Wie ernst kann man einen Autoexperten nehmen, der für 2007 den Kollaps des Autogas-Markts in Deutschland prophezeit hat?! Herr Dudenhöffer's Ansichten über GM sind völlig überholt. inzwischen bauen die laut unabhängiger institute wie JD Power genauso gute Autos wie Lexus! ich selbst bin von 1986 bis 2001 nur Opel gefahren und bin dann auf ein US-Fahrzeug von GM umgestiegen. Auch wenn Sie es erstaunt: Der Chevy ist bislang mein zuverlässigstes Auto, zeigt insgesamt weniger Zipperlein, als Modelle deutscher Hersteller in meinem bekanntenkreis. Mit der Meinung, dass nur GM an allem Schuld sein soll, macht man es sich wohl etwas einfach. Da sind auch Dinge in Rüsselsheim selbst schiefgelaufen. Wieso sind die anderen GM-Töchter, Daewoo (Korea) und Holden (Australien) nicht in so prekärer Lage??? Etwas bereitschaft zur Selbstkritik ist wohl was, das dem Deutschen zu oft abgeht.

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