Schmutziges Geschäft

Millionenzahlungen kommen ans Licht

Die US-Börsenaufsicht hat entschieden: Öl-, Gas- und Bergbaufirmen müssen ihre Zahlungen an Regierungen aufdecken. Entwicklungshelfer feiern das als Sieg gegen Korruption. Die Konzern-Bosse fürchten dagegen ums Geschäft.
8 Kommentare
Kampf um die Macht: Das Geld aus Öl- und Gasverkäufen hielt Gaddafi lange in Libyen an der Spitze. Quelle: dapd

Kampf um die Macht: Das Geld aus Öl- und Gasverkäufen hielt Gaddafi lange in Libyen an der Spitze.

(Foto: dapd)

New YorkEs war ein eindringlicher Appell, den der ehemalige libysche Ölarbeiter Najwa al-Beshti an eine Schar Beamte in Washington richtete. Er beschrieb in einem Gastbeitrag für die „New York Times“, wie er zu Zeiten des Regimes von Muammar al-Gaddafi hautnah miterlebte, dass sich die Mächtigen schamlos an den Ölmillionen bedienten, die eigentlich dem Volk gehörten. Als er den Mund aufgemacht habe, sei er mit dem Tode bedroht worden.

„Amerika kann helfen, dass eine derartige Korruption nicht wieder passiert“, mahnte der Libyer, der die Wirren des Umsturzes überlebte. Sein Gastbeitrag erschien wenige Tage, bevor die US-Börsenaufsicht SEC über ein Regelwerk zu entscheiden hatte, welches die Geldströme bei der Förderung von Bodenschätzen transparenter machen soll: der sogenannte Abschnitt 1504 des Dodd-Frank Act. Die SEC sagte ja und setzte das Regelwerk damit in Kraft.

Der Kern: Unternehmen müssen in ihrem Geschäftsbericht künftig alle Zahlungen an staatliche Stellen veröffentlichen, sofern diese über 100.000 Dollar hinausgehen. Das gilt etwa für den Kauf von Förderrechten auf Öl- oder Gasfeldern oder von Abbaurechten bei Metallen und Mineralien. Die Idee dahinter: Wenn die Zahlungen bekannt sind, kann das Geld nicht mehr so einfach in den Regierungsapparaten etwa der rohstoffreichen afrikanischen Staaten versickern.

„Für alle, die denken, dass Korruption genauso ein Killer ist wie Aids, Tuberkulose und Malaria, ist das hier wirklich groß“, sagte Bono, Sänger der Rockband U2 und Mitgründer der Organisation One, die sich die Bekämpfung von Armut, Hungersnöten und Krankheiten auf die Fahnen geschrieben hat. „Transparenz ist die beste Impfung gegen Korruption“, erklärte Bono.

Den betroffenen Konzernen dagegen schmecken die neuen Vorschriften überhaupt nicht. „US-Unternehmen könnten Geschäfte verlieren, Jobs in den USA mögen gar nicht erst entstehen, und der Regierung könnten Steuern entgehen“, warnte John Felmy, der Chefökonom des American Petroleum Institute.

Ein Spiel mit ungleichen Regeln
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

8 Kommentare zu "Schmutziges Geschäft: Millionen der Multis für Despoten kommen ans Licht"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Amis wollen eben Alles und Jeden kontrollieren und besteuern.

    für diese Krankheit gibt es sicher einen Namen.

  • War es nicht der Ehemalige ÖLmister Libyens, der in Wien zur Winterzeit schwimmen wollte ? Was der uns wohl sagen wollte

  • Das alles betrifft doch nur Unternehmen welche ihre Aktien in den USA notieren lassen, ihren Sitz aber außerhalb haben. Die Amifirmen bleiben davon unbehelligt.

  • Die stete Umbennungsarie des ehemaligen Blackwater Konzerns spricht beredter als die US-Administration es je tun könnte.
    Es ist: die Privatisierung auch des Krieges.
    Dagegen liest sich Clausewitz wie ein Billigroman aus dem Bahnhofskiosk.

  • Hb,
    das sind Gute-Nacht-Geschichten für den US-Wähler!
    Tatsächlich ist bislang niemand gegen die Superstars, wie Halliburton und Carlyle oder gar die Söldnerprofis Blackwater bzw. Academi vorgegangen. Die Verträge wurden vielmahr aktualisiert.

  • Eigentlich geht es weniger um moralinsaure Überlegungen als vielmehr darum, welche Firmen beispielsweise im Syrien-Krieg (machen wir uns nichts vor, es handelt sich längst um einen Krieg mit international beteioligten Kombattanden) finanziell engagiert sind und zur weiteren Verschärfung von Kriegen aktiv beitragen.
    Das sind Größen, mit denen man schließlich auch in der Politik rechnen muß, wenn es um Schadenseinschätzungen geht.
    Was helfen Interventionen im Sicherheitsrat, wenn die Wirtschaft im eigenen Hause politisches Handeln konterkariert?
    Sie sehen: weniger Moral als rein machiavellisch intendierte Überlegungen können solche Überlegungen auch begleiten.
    Nichs gegen den Leopard II.
    Man sollte nur wissen, dass man damit langfristig sogar gegen eigene wirtschaftliche Interessen handeln könnte...

  • Es ist ein schwieriges Dilemma, Despoten richten ihre Auftragvergabe eher selten am gesellschaftlichen Nutzen aus.
    Was dazu führt, das bei vielen Despoten die Auftragsvergabe ausschließlich gegen Schmiergeld oder anderweitige persönliche Bereicherung erfolgt.
    Das hohe moralische Ross endet dann spätetestens da, wo deshalb der eigene Absatzmarkt und somit Arbeitsplätze betroffen sind.
    Denn ob geschmiert wird oder nicht, ändert in der Regel wenig am Regime. Bei Regimen, die wackeln hält Schmiergeld das Regime auch nicht länger am Leben, jedenfalls nicht mehr als die Auftragsvergabe selbst.
    Deshalb ist es primär eine nationale Angelegenheit eine entsprechende Kultur zu schaffen.
    Moralischen Überlegungen kann ich deshalb an dieser Stelle nicht viel abgewinnen. etwas anderes ist es ,wen nes um Korruption im eigenen Lande geht, sowohl die strafbare, wie die juristisch nicht belangbare Korruption.
    Man gewinnt da den Eindruck, als sollten die ausländischen Schmiergeldzahlungen nur das Feigenblatt der eigenen moralischen Überlegenheit sichern. Denn gegen Korruption im Inland wird weder bei uns noch in den USA viel getan. Sie ist lediglich weniger offensichtlich, weil häufig keine rechtliche Handhabe besteht.

    H.

  • Bevor man allerdings um Geschäfte fürchten sollte, wird man sich damit auseinandersetzen müssen, welche Firmen aktiv an der Beförderung bewaffneter Konflikte ebenso mitbeteiligt gewesen sind, wie Regierungen souveräner Staaten auch.
    Ein weiterer Schritt wäre es, die Geldströme offenzulegen, die unmittelbar auch zu Waffenkäufen geführt haben.
    Damit wird die Welt vielleicht nicht gerechter aber noch etwas klarer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%