Schnelle Entscheidung geplant
Daimler bereitet Anleger auf Geldsegen vor

Der Autokonzern Daimler wird nach der Scheidung von Chrysler schneller als erwartet über seinen milliardenschweren Barmittel-Bestand entscheiden. Aktionäre sollen dabei nicht leer ausgehen – nach der Trennung winkt ihnen ein finanzielles Trostpflaster.

FRANKFURT. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird das Management bereits in den kommenden Wochen die Weichen für eine Teilhabe der Aktionäre an dem Geldsegen stellen. Es werde erwogen, dass Daimler sich bereits bei der Vorlage der endgültigen Zahlen für das zweite Quartal am 29. August äußere, wie der Konzern seine überschüssige Liquidität verwenden werde, hieß es. Eine Daimler-Sprecherin wollte die Informationen nicht bestätigen und verwies lediglich auf frühere Aussagen, wonach Daimler eine Entscheidung spätestens bis Ende Februar nächsten Jahres in Aussicht gestellt habe.

Den Daimler-Aktionären winkt damit nach der teuren Scheidung von Chrysler ein finanzielles Trostpflaster. Angesichts einer Nettoliquidität im Industriegeschäft von mehr als 10 Mrd. Euro rechnen Investmentbanken wie Credit Suisse oder die Deutsche Bank mit einem Aktienrückkauf oder steigenden Ausschüttungen an die Anteilseigner. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber hatte Mitte Mai eingeräumt, dass das Unternehmen überschüssige Liquidität halte.

Der Überschuss in der Kasse entsteht unter anderem, weil der Konzern jetzt nicht mehr für die milliardenschweren Gesundheitskosten und Pensionsverpflichtungen für Chrysler-Mitarbeiter verantwortlich ist. Nach der Abtrennung des verlustreichen US-Autobauers Chrysler vom Daimler-Konzern hatten die Investoren ihr Augenmerk verstärkt auf den hohen Barmittelbestand des Konzerns gerichtet.

Das Luxusproblem von Daimler ist kein Einzelfall. So hatte dieses Jahr auch der Energiekonzern Eon nach der gescheiterten Übernahmeattacke auf den spanischen Energieversorger Endesa einen Aktienrückkauf angekündigt, um die hohen Reserven abzubauen. Auch der Chemiekonzern BASF verteilte mit einer deutlichen Dividendenerhöhung sowie einem Aktienrückkaufdieses Jahr Bares an die Anleger. Bei Daimler hatte es allerdings zuletzt Spekulationen gegeben, dass es keine Ausschüttung geben werde, da der Automobilkonzern den Chrysler-Verkauf an den US-Investor Cerberus überraschend mit einem zusätzlichen Kredit abstützen musste.

Arndt Ellinghorst, Auto-Analyst der Credit Suisse, geht indes davon aus, dass Daimler etwa 8,4 Mrd. Euro an die Anleger hauptsächlich in Form eines Aktienrückkaufprogramms ausschütten werde. Die Investoren seien gut beraten, ihren Fokus auf den hohen Barmittelbestand und die ineffiziente hohe Eigenkapitalquote der künftigen Daimler AG zu richten, rät auch die Deutsche Bank in einer Studie. „Der Konzern kann ohne weiteres zehn Prozent seiner Aktien zurückkaufen und hat dafür bereits die Erlaubnis der Hauptversammlung“, heißt es weiter. An der Börse wird der Autobauer derzeit mit rund 62 Mrd. Euro bewertet. Der Rückkauf von zehn Prozent des Kapitals würde somit rund 6,2 Mrd. Euro kosten.Diese Summe könnte Daimler nach Einschätzung von Analysten aufbringen, ohne die Bilanz überzustrapazieren. Die Investmentbank Societe Generale rechnet zum Ende dieses Jahres sogar mit einem Barmittelbestand von rund 14 Mrd. Euro im Konzern. Dieser hohe Bestand an flüssigen Mitteln sei nach der Trennung von Chrysler künftig nicht mehr notwendig, urteilte das Bankhaus.

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