Schnellfeuergewehr Kalaschnikow
Der Alte und sein „Awtomat“

Michail Kalaschnikow hat vor 60 Jahren das Schnellfeuergewehr gleichen Namens erfunden. Kein Gewehr dürfte auf der Welt weiter verbreitet sein. Die Kalaschnikow, das ist ein Symbol für Gewalt. Doch es ist auch die wohl bekannteste russische Marke – und bis heute eine Art Heiligtum. Eine Handelsblatt-Reportage.

ISCHEWSK. Der kleine alte Mann mit den vielen Orden am Jackett steht etwas wackelig auf dem Podium: Michail Kalaschnikow ist gesundheitlich angeschlagen. Dennoch, diesen Auftritt hier auf der Sportwaffenmesse in Ischewsk wollte er sich offenbar nicht nehmen lassen. Er ist mal wieder der Star der Veranstaltung, der 87-jährige Mann, der Namensgeber des weltweit wohl bekanntesten Gewehrs: Kalaschnikow.

Vor 60 Jahren hat er das berühmte Schnellfeuergewehr entwickelt, den „Awtomat Kalaschnikow 47“, kurz „AK-47“. Kaum ein Schießeisen ist beliebter. Ob im Wasser, in Sand oder Schlamm, der „Awtomat“ schießt immer. Und kein Gewehr dürfte weiter verbreitet sein: Etwa 100 Millionen Kalaschnikows sind seit 1947 produziert worden. Sie kommen bei fast jeder kriegerischen Auseinandersetzung weltweit zum Einsatz, werden von Soldaten, Rebellen und Terroristen verwendet.

Kalaschnikow, das ist ein Symbol für Gewalt. Doch es ist auch die wohl bekannteste russische Marke. Und daher bekommt ihr Erfinder auch hier bei der Sportwaffenmesse wieder eine Auszeichnung: eine Büste Marschall Schukows, einst Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen in Berlin, ist es dieses Mal.

Der alte Mann gibt sie an seine Tochter weiter. Sie leitet das Kalaschnikow-Museum im Heimatort ihres Vaters, in Ischewsk: Für den Marschall sei kein Platz mehr zu Hause, er sei besser im Museum aufgehoben, erklärt er ihr.

Michail Timofejewitsch Kalaschnikow ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Zum 60. Jubiläum seiner Schöpfung bereitet Russland ihm einen großen Bahnhof – mit pompösen Feierlichkeiten in Moskau und einer Marketingtour der Waffenexportfirma Rosoboronexport.

„Jede Waffe bringt den Tod“, erklärt er mit hoher Greisenstimme bei einem dieser Auftritte. Daher müsse sie in den richtigen Händen liegen. Die russische Regierung würde ergänzen: Auf jeden Fall muss die Waffe von dem richtigen Hersteller kommen. Nur zehn Prozent der weltweiten Produktion sind „made in Russia“. Daher will das Land, das die Sache mit dem geistigen Eigentum eigentlich nicht so eng sieht, nun gegen die AK-Plagiate vorgehen. „Wir werden für unsere Rechte kämpfen“, kündigt Finanzminister Alexeij Kudrin auf der Sportwaffenmesse an.

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