Schon ein stabiles Geschäft im kommenden Jahr wäre für die Branche ein Erfolgserlebnis
Kein Ende der Durststrecke für Uhren- und Schmuckhersteller

Die Uhren- und Schmuckproduzenten stellen sich auf weiter harte Zeiten ein. „Die Situation ist schwierig und vor 2005 ist nicht mit einer Besserung zu rechnen“, sagte gestern der Vertriebsleiter von Citizen Watch Europe, Ralf Arp, in München. Die Branche kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen. Herstellern und Handel gelingt es kaum, neue Käufer anzulocken.

jojo MÜNCHEN. Selbst die letzten Wachstumsbereiche schwächeln. So wird der Boom der unter Lizenz von Modemarken gefertigten Uhren merklich schwächer. „Man muss sich mehr denn je überlegen, was man auf den Markt bringt“, betonte Werner Thieme, Geschäftsführer der Fossil Europe GmbH. Die Tochter des US-Unternehmens Fossil hat in den vergangenen Jahren erfolgreich Modelabels wie Diesel, DKNY oder Armani im Uhrengeschäft etabliert und den Konkurrenten Marktanteile abgenommen.

Von den zweistelligen Zuwachsraten der Vergangenheit muss sich jetzt aber auch Fossil verabschieden. Thieme: „Die schwierige gesamtwirtschaftliche Situation und die Probleme des Handels machen uns zu schaffen. Wir wären schon froh, wenn wir ein klein bisschen zulegen können.“ Immerhin, mit Burberry will die Firma demnächst eine weitere Modemarke in die Kaufhäuser und Juweliergeschäfte bringen.

Selbst etablierte Namen haben zu kämpfen. Der deutsche Marktführer im Uhrengeschäft, die Schramberger Junghans Uhren GmbH, kann von Wachstum im Kerngeschäft nur träumen. In diesem und dem nächsten Jahr sei lediglich stagnierender Umsatz zu erwarten, sagte Geschäftsführer Harald Hepperle im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gestern gaben die Schramberger eine Kooperation mit Seiko bekannt. Gemeinsam wollen sie funkgesteuerte Armbanduhren und ähnliche Produkte entwickeln. Ein Gebiet, auf dem Junghans langjährige Erfahrung besitzt.

Um die Einnahmen wenigstens zu halten, fährt Junghans wie die meisten Wettbewerber groß angelegte Werbekampagnen. Denn im letzten Weihnachtsgeschäft litten viele Hersteller darunter, dass die Käufer verstärkt zu preiswerten No-Name-Produkten griffen.

Nicht viel positiver sieht es im Schmuckgeschäft aus. Immerhin: Kommendes Jahr seien erstmals keine Rückgänge im Inlandsgeschäft mehr zu erwarten, sagte Jochen Exner, Geschäftsführer des Schmuckproduzenten Gebrüder Niessing GmbH. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen aus Vreden den Einbruch in Deutschland nur durch den Export ausgleichen können. „Vorsichtig positiv“ sieht Georg Bunz, Chef der Atelier Bunz GmbH, die Lage. Schon in den vergangenen zwei Monaten habe das Geschäft wieder leicht angezogen. Bemerkenswert sei vor allem, dass viele Händler eigene Initiativen starteten.

Schmuck und Uhren stehen auf den Einkaufslisten der Leute weit hinten. Für Ringe, Ketten und Zeitmesser hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur durchschnittlich 42 Euro ausgegeben. Das waren drei Euro weniger als 2001. Insgesamt verkaufte der Einzelhandel im vergangenen Jahr Uhren, Edelsteine und Waren aus Edelmetall im Wert von 3,5 Mrd. Euro.

Junghans-Chef Hepperle hält viele Probleme der Branche für hausgemacht. So seien die Händler noch viel zu sehr in ihrer Rolle als Handwerker gefangen. Stattdessen müssten die Ladeninhaber aber viel stärker ins Marketing investieren. Fossil-Chef Thieme will den Händlern deshalb künftig Konzepte anbieten, damit diese „lernen können, ökonomisch zu denken“.

Dass die gesamte Branche mit spitzem Bleistift rechnet, zeigt sich auch an der Fachmesse Inhorgenta, die kommenden Februar in München stattfindet. Große Produzenten wie Swatch, Maurice Lacroix, oder Dugena haben bereits abgesagt. Im Vergleich zu 2001 war die Zahl der Aussteller schon in diesem Jahr massiv gesunken.

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