Schreckenszahlen vor Jubiläumsjahr
Märklin-Mitarbeiter stehen vor massiven Lohnkürzungen

Die Mitarbeiter des schwäbischen Modellbahnherstellers Märklin müssen sich auf massive Lohnkürzungen gefasst machen. Nach Informationen des Handelsblattes aus Unternehmenskreisen kommen auf die 600 Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale in Göppingen Einbußen von bis zu 20 Prozent des Bruttolohnes zu.

HB GÖPPINGEN. Märklin hatte in der vergangenen Woche erklärt, die Kostenbasis des Unternehmens sei "nach wie vor zu hoch, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften." Deshalb habe die Geschäftsführung Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. Bei einer Mitarbeiterversammlung wurde für Göppingen bei den Personalkosten ein Einsparungsziel von fünf Millionen Euro genannt.

Ein Unternehmenssprecher lehnte eine Aufschlüsselung der Personalkosten auf Anfrage ab. Auch der Betriebsrat wollte sich zu den Gesprächen mit der Geschäftsleitung nicht äußern. Nach Informationen des Handelsblattes existieren aber bereits interne Überschlagsrechnungen. Danach liegen die Personalkosten in Göppingen bei rund 20 Millionen Euro. Um das vorgesehene Sparziel zu erreichen, müsste jeder Mitarbeiter am Unternehmenssitz auf bis zu 600 Euro brutto pro Monat verzichten.

Es dürfte extrem schwierig werden, die Sparziele zu erreichen. Entlassungen sind laut Märklin-Geschäftsführer Axel Dietz ausgeschlossen, da im Unternehmen ein Beschäftigungssicherungsvertrag herrscht, der Kündigungen bis Ende 2009 verhindert. Doch auch andere Einsparpotenziale bieten sich kaum. Märklin hat in den vergangenen Jahren schon mehrere Sanierungsrunden durchlaufen. Übertarifliche Zulagen sind kaum noch vorhanden. Selbst die Streichung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes würde nach internen Berechnungen nur eine Einsparung von 8,3 Prozent bringen. Der Abschluss eines gesonderten Sanierungstarifvertrags würde die Zustimmung des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall und der Gewerkschaft IG Metall erfordern.

Ein Jahr vor dem 150. Firmenjubiläum stehen die Zeichen für den weltgrößten Modellbahnhersteller damit schlecht. Märklin war 2006 von dem britischen Finanzinvestor Kingsbridge Capital übernommen worden. Damals schrieb das Unternehmen bei einem Umsatz von 124 Millionen Euro einen Jahresfehlbetrag von 13,7 Millionen Euro und stand kurz vor der Insolvenz. Kingsbridge brachte frisches Geld, doch auch 2007 war der Verlust ähnlich hoch wie im Vorjahr. Operativ hofft die Märklinführung erst für 2009 auf ein ausgeglichenes Ergebnis.

Die Mitarbeiter kritisieren vor allem hohe Sonderbelastungen. So kostete 2006 allein die "Neuorganisation der Geschäftsführung" laut Geschäftsbericht 1,6 Millionen Euro. Außerdem gab Märklin 2006 für Beratungsleistungen 5,13 Millionen Euro aus, ein Großteil davon für die Sanierungsexperten von Alix Partners. 2007 fielen laut Unternehmenskreisen ähnlich hohe Beratungskosten an. Doch Mitarbeiter zweifeln am Sinn der Berater. Obwohl der Umsatz im ersten Halbjahr 2008 zweistellig wuchs, rechnet Märklin auch in diesem Jahr mit roten Zahlen. Neue Unternehmensberatungen sind bereits engagiert.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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