Schrempp geht - Zetsche Nachfolger
Daimler-Chrysler droht weiteres Stühlerücken

Bei Daimler-Chrysler endet die Ära von Jürgen Schrempp, der in den vergangenen zehn Jahren an der Spitze so gut wie alle Krisen an sich hat abprallen lassen. 2006 übernimmt Dieter Zetsche das Ruder. Nun glaubt offenbar auch Schrempps Kronprinz Eckhard Cordes nicht mehr, das volle Vertrauen des Aufsichtsrates zu besitzen.

HB STUTTGART. Mercedes-Chef Eckhard Cordes hat nach der Entscheidung des Aufsichtsrates für Dieter Zetsche ebenfalls seinen Rücktritt angeboten. Das bestätigte ein Aufsichtsrat dem Handelsblatt. Diese Personalfrage sei aber noch nicht entschieden worden. Cordes galt neben Zetsche als Kronprinz Schrempps. Aufsichtsratskreisen zufolge kam Cordes nicht zum Zuge, weil er die Restrukturierung der Mercedes Car Group vorantreiben müsse.

Zuvor hatte Daimler-Chrysler noch verlautet, Cordes habe auf die Nachricht von der Berufung Zetsches „professionell“ reagiert. Seit Oktober 2004 steht Cordes an der Spitze der Mercedes Car Group, ist für die PKW-Abteilung bei Mercedes-Benz und Smart sowie die Motorsportaktivitäten mit AMG und McLaren zuständig. Der kühle Konzernstratege gilt als enger Vertrauter Schrempps. Er soll zu den wenigen Vorstandsmitgliedern gehört haben, die Schrempps Kurs in der Mitsubishi-Krise gestützt haben.

Die Ära von Jürgen Schrempp an der Spitze von Daimler-Chrysler wurde nach einer Reihe strategischer Fehlschläge vorzeitig beendet. Mit seiner Vision einer „Welt AG“ ist Schrempp gescheitert. „Der Aufsichtsrat und Jürgen Schrempp sind sich einig, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen ist“, teilte das Kontrollgremium am Donnerstag ohne Dankesworte für den nach 44 Jahren aus dem Konzern scheidenden Chef in Stuttgart mit. In den Aufsichtsrat wolle er nicht wechseln, sagte Schrempp.

An der Börse sorgte der überraschende Abgang für ein Kursfeuerwerk: Die Aktie gewann zehn Prozent, der Börsenwert von Daimler-Chrysler erhöhte sich um fast vier Mrd. €. Der Großaktionär Deutsche Bank nahm dies gleich zum Anlass, Aktien im Wert von mehr als 1,3 Mrd. € an institutionelle Investoren zu verkaufen und damit den Anteil von zuletzt zehn Prozent zu reduzieren. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sank dadurch die Beteiligung an dem Autohersteller auf 6,9 Prozent. Den Vorsteuergewinn aus der Transaktion bezifferte die Bank auf rund 300 Millionen Euro. Damit setze die Deutsche Bank ihre Politik fort, ihre noch verbliebenen Beteiligungen an anderen börsennotierten Unternehmen zu verkaufen.

Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Daimler-Chrysler-Aufsichtsrats erfuhr, haben in den vergangenen Monaten mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums Schrempp „nahe gelegt“, vorzeitig aus seinem bis April 2008 laufenden Vertrag auszusteigen. In dieser Situation habe sich Schrempp in den vergangenen Wochen entschieden, den Chefposten aufzugeben. Den Zeitpunkt für die Personalentscheidung wählte das Kontrollgremium so, dass sich der 60-Jährige wenigstens mit glänzenden Geschäftszahlen verabschieden kann. Die von Rückrufen und der Sanierung des Kleinwagenmarke Smart gebeutelte Mercedes-Pkw-Sparte schaffte im zweiten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone - früher als erwartet.

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