Schrumpfender Biermarkt
Wie die Brauer um Kunden kämpfen

Brauereien suchen händeringend neue Geldquellen im austrocknenden Biermarkt, denn der Absatz sinkt seit Jahren. Auch Mischgetränke boomen nicht mehr. Die Branche baut jetzt auf Trendprodukte, von denen einige wenige auch erfolgreich sind.
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DÜSSELDORF. Jene Großstädter, die mit Tradition nichts anfangen können, machen das Provinz-Bier Tannenzäpfle derzeit zum Kultgetränk in Berlin, Hamburg und München. Der Brauerei Rothaus beschert das Rekordumsätze, obwohl sie gänzlich auf Fernsehwerbung verzichtet. Vor wenigen Jahren lag der Absatz noch bei 750 000 Hektolitern, 2009 waren es 900 000.

So gut wie das Tannenzäpfle verkauft sich derzeit nicht jedes Bier - es ist die Erfolgsstory einer sonst gebeutelten Branche, die seit Jahren wenig zu feiern hat. Viele Brauereien sind gezwungen, neue Geldquellen zu erschließen - oder im Ausguss zu verschwinden.

Denn der deutsche Biermarkt schrumpft, Jahr für Jahr. Im ersten Halbjahr 2010 sank der Bierkonsum um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr, trotz bierträchtigen Events wie der Fußball-Weltmeisterschaft.

Auf lange Sicht gesehen sind die Zahlen noch dramatischer. Im vergangenen Jahrzehnt ist der Bierabsatz von 110,4 Mio. Hektoliter auf weniger als 100 Mio. Hektoliter eingebrochen. Hinzu kommt hohe Überproduktion - Brauer bleiben auf etwa jedem dritten produzierten Liter sitzen.

Der Markt wird noch 20 Jahre lang schrumpfen, erwarten Brauer. Während die großen Brauereigruppen die dürren Zeiten noch mit genügend Kapital aussitzen können, treibt es vor allem kleinere Brauerein an den Rand der Existenz.

Laut der Beratungsgesellschaft KPMG sind zirka 100 Braustätten mit einem Ausstoß zwischen 10 000 und 500 000 Hektolitern in den letzten zehn Jahren verschwunden. "Sie wurden entweder von einer anderen Brauerei übernommen und geschlossen oder sie sind aufgrund des Absatzrückgangs aus diesem Segment verschwunden", sagt der KPMG-Brauereifachmann Reiner Klinz.

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