Schuldenlast
Oerlikon greift zu drastischen Mitteln

Der finanziell unter Druck stehende Schweizer Anlagenbauer Oerlikon will durch aufsehenerregende Maßnahmen zurück in die Spur finden. So sollen die Gläubiger dem Konzern nicht nur die Darlehen stunden, ein Teil der Kredite soll sogar in Eigenkapital umgewandelt werden. Zudem ist ein Kapitalschnitt angedacht.
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HB ZÜRICH. Der hoch verschuldete Schweizer Anlagenbauer Oerlikon will mit drastischen Maßnahmen seine Finanzen in den Griff bekommen. Der vom russischen Milliardär Viktor Vekselberg kontrollierte Konzern verlangt von den Gläubigerbanken einen Aufschub der Kreditrückzahlungen und eine teilweise Umwandlung der Kredite in Eigenkapital. Zudem plant Oerlikon einen substanziellen Kapitalschnitt mit anschließender Wiederaufstockung.

Von dem seit Monaten geplante Verkauf von Unternehmensteilen wie dem Oberflächengeschäft hat Oerlikon dagegen Abstand genommen. "Kurzfristig sind keine größeren Transaktionen geplant", erklärte in Unternehmenssprecher am Dienstag. Oerlikon hatte den Banken den Sanierungsplan am 25. November unterbreitet. Ein Informationsleck zwang den Konzern nun, die Eckwerte des Plans trotz der laufenden Verhandlungen zu veröffentlichen. Offen ist, ob die Banken dem Plan auch zustimmen. Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft, mit 45 Prozent Hauptaktionär bei Oerlikon, ist bereit, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. An der Börse brachen die Oerlikon-Aktien um zehn Prozent auf 51,20 Franken ein. Mit dem Plan verschiebe Oerlikon die Probleme einfach um drei Monate, sagte Vontobel-Analyst Michael Foeth. "Das ist keine Lösung, sondern nur ein Aufschub."

Oerlikon sitzt seit der Übernahme des Textilmaschinen- und Getriebeherstellers Saurer auf einem Schuldenberg. Bis Anfang 2010 müssen Bankkredite über 600 Mio. von insgesamt 2,5 Mrd. Franken (rund 1,7 Mrd. Euro) zurückgezahlt werden. Die Rezession trifft die Textil- und Autobranche derzeit besonders hart. Aber auch der frühere Hoffnungsträger von Oerlikon, das Solargeschäft, leidet unter einem schwierigen Marktumfeld und einer teilweise veralteten Technologie. Deshalb hatte Oerlikon angekündigt, die Bewertung des Lagerbestandes zu senken und einen mittleren zweistelligen Millionen-Franken-Betrag abzuschreiben.

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