Schuldscheindarlehen
Boehringer zapft neue Geldquellen an

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat seine ohnehin üppige Finanzposition über die Ausgabe eines Schuldscheindarlehens im Volumen von 900 Mio. Euro gestärkt. Das Familienunternehmen zapft damit erstmals in seiner Geschichte den Finanzmarkt an. Diese Entwicklung nährt nun Spekulationen um mögliche Zukäufe. Einzige Vorgabe: Klein muss es sein.

FRANKFURT. Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat seine ohnehin üppige Finanzposition über die Ausgabe eines Schuldscheindarlehens im Volumen von 900 Mio. Euro gestärkt. Das Familienunternehmen zapft damit erstmals in seiner Geschichte den Finanzmarkt an. Bislang hat sich Boehringer weitgehend selbst finanziert und - wenn überhaupt nötig - extern zu Bankkrediten gegriffen.

Ziel sei es, sich auf dem historisch niedrigen Zinsniveau günstige Finanzierungskonditionen zu sichern und die Finanzierungsquellen zu diversifizieren, heißt es von Seiten des Unternehmens. Der Konzern dürfte damit indirekt auch auf die schwache Bereitschaft von Banken zur Vergabe von Industriekrediten reagieren. Auch zahlreiche andere Großunternehmen haben sich vor diesem Hintergrund in jüngerer Zeit bevorzugt am Kapitalmarkt refinanziert, besonders über die Ausgabe von Anleihen.

Boehringer, der nach Bayer zweitgrößte Pharmahersteller in Deutschland, hat aber keinerlei akuten Finanzbedarf, sondern gehört seit Jahren zu den am solidesten finanzierten deutschen Industrieunternehmen.

Ende 2008 wies der Konzern liquide Mittel sowie Wertpapiere im Anlagevermögen von zusammen knapp drei Mrd. Euro aus, bei Finanzschulden von lediglich 308 Mio Euro. Zudem generiert Boehringer im operativen Geschäft derzeit einen üppigen freien Cash-flow von zuletzt 1,4 Mrd. Euro (nach Sachinvestitionen). Im ersten Halbjahr 2009 dürfte sich die Cashposition weiter verbessert haben.

Die zusätzliche Stärkung der Liquidität nährt daher bei Branchenkennern Vermutungen, dass sich der Konzern mit dem Finanzierungsmanöver zusätzliche unternehmerische Flexibilität sichern will - beispielsweise für mögliche Zukäufe. Eine Großakquisition nach dem Vorbild von Mergern wie Pfizer/Wyeth oder Merck & Co/Schering-Plough ist zwar weiterhin kein Thema in Ingelheim. Die Strategie setze vielmehr weiter auf nachhaltiges Wachstum aus eigener Kraft, sagte ein Unternehmenssprecher.

Kleinere Ergänzungs-Akquisitionen wurden allerdings auch in der Vergangenheit vom Management nie ausgeschlossen. Analysten spekulieren daher, dass sich Boehringer etwa um die Übernahme von Aktivitäten in der Tiermedizin bemühen könnte. Hier dürften mehrere Sparten oder Unternehmen auf dem Markt gelangen, weil sich die US-Konzerne Pfizer sowie Merck & Co aus kartellrechtlichen Gründen von Teilbereichen trennen müssen.

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