Schutz vor Ausländern
Deutsche Konzerne igeln sich ein

In den Führungsetagen deutscher Unternehmen wächst das Unbehagen über den Expansionsdrang ausländischer Staatsfonds. Das belegt eine Exklusiv-Umfrage des Handelsblatts. Viele Konzerne haben sich gegen einen unliebssamen Investor von jenseits der Grenze bereits gewappnet. Einige prominente Beispiele.

bas/fas/juf/lou/som/doh DÜSSELDORF. Darf in einer globalisierten Welt jedes Unternehmen oder jeder kapitalfinanzierte Staatsfonds nach einer börsennotierten Gesellschaft greifen? Wer den Aktionär als Anteilseigner des Unternehmens in den Vordergrund hebt und sich die freie Wirtschaft auf die Fahnen schreibt – wie BDI-Präsident Jürgen Thumann –, plädiert gegen voreilige Schutzmaßnahmen. Besorgte Politiker, die den Ausverkauf der deutschen Schlüsselwirtschaft fürchten – wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück –, fordern Beschränkungen. Diese gibt es längst, wie ein Blick in die Unternehmenslandschaft zeigt. Nirgendwo sind sie so klar definiert wie in der Luft- und Raumfahrtbranche. Auch Energiekonzerne sind nur schwer zu übernehmen. Weniger Schutz genießt die Deutsche Telekom – trotz ihres Großaktionärs Bund.

EADS

Gestern ist der staatliche Investor Dubai International Capital beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS eingestiegen. Außer Kursgewinnen und Dividenden winkt dem reichen Emirat aber nichts. Der im Jahr 2000 ausgehandelte Aktionärspakt sichert den strategischen Partnern – neben dem französischen Staat das Medienunternehmen Lagardère, Daimler-Chrysler und die spanische Staatsholding Sepi – selbst dann das alleinige Sagen, wenn die vier nicht mehr die Kapitalmehrheit halten sollten. Alle übrigen Aktionäre haben nichts zu melden und halten praktisch stimmrechtslose Aktien. Deshalb verwundert die Aussage von EADS nicht, alle Aktionäre seien willkommen. Wie wenig Druck sich über freie EADS-Aktien aufbauen lässt, musste die russische Staatsbank VTB erfahren. Ihre Forderung nach mehr Mitsprache wies EADS brüsk zurück. Es sei nicht beabsichtigt, die Unternehmensführung oder den Kreis der industriellen Großaktionäre zu verändern, erklärten die Vorsitzenden des Verwaltungsrates. Entnervt stellte Russlands Bank seine Anteile wieder zur Disposition.

Eon

Für Deutschlands Energiebranche ist Gazprom das Schreckgespenst. Der russische Branchenriese wird vom Kreml kontrolliert und interessiert sich für westeuropäische Versorger. Gazprom will an die üppigen Margen im Vertriebsgeschäft ran. Der Düsseldorfer Energieriese Eon genießt aber indirekten Schutz gegenüber Übernahmen. 2002 hatte sich die Bundesregierung bei ihrer Ministererlaubnis, mit der sie die Übernahme der Ruhrgas durch Eon gegen das Veto des Bundeskartellamtes genehmigte, ein Einflussrecht gesichert. So kann die Regierung verlangen, dass Eon wieder alle Anteile an der Ruhrgas veräußern muss, wenn der Energiekonzern selbst übernommen wird und „der Erwerber begründeten Anlass zur Besorgnis gibt, dass energiepolitische Interessen der Bundesrepublik Deutschland beeinträchtigt werden“. Gleichzeitig muss Eon das Plazet des Bundeswirtschaftsministeriums einholen, wenn der Konzern selbst Ruhrgas veräußern will. Bei zwei anderen Energiekonzernen ist die Beteiligung eines ausländischen Staatskonzerns aber längst Realität: Die EnBW gehört zu 45 Prozent der staatlich kontrollierten Electricité de France (EdF), Vattenfall Europe zum schwedischen Vattenfall-Konzern.

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