Schutz vor Überfremdung
Firmen suchen Milliardäre

Unter deutschen Unternehmen grassiert die Angst vor feindlichen Übernahmen. Reiche Familien sollen feindliche Übernahmen durch Finanzinvestoren verhindern. Das hat in der Vergangenheit auch schon geklappt.

FRANKFURT. Das Beispiel des Energiedienstleisters Techem habe gezeigt, dass Bieterwettstreite aggressiver werden, sagt Dieter Pfundt, Mitinhaber der Privatbank Sal. Oppenheim. Zuletzt hatte die australische Investmentbank Macquarie nachgelegt, um die vom Unternehmen bevorzugte Offerte des Finanzinvestors BC Partners aus dem Feld zu schlagen. Er sieht deshalb den Drang vieler börsennotierter Gesellschaften, Familien mit einem milliardenschweren Vermögen in die Gesellschaft zu nehmen: „Die Platzierung von Aktienblöcken an einzelne Großinvestoren dient dazu, sicherere Aktionärsstrukturen aufzubauen“, urteilt Pfundt.

Jüngstes Beispiel ist der Industrielle Günter Herz, der ehemalige Miteigner des Kaffeerösters Tchibo. Herz hat am Freitag den Germanischen Lloyd für 575 Mill. Euro sogar komplett übernommen und damit eine feindliche Übernahme des Unternehmens durch den französischen Konkurrenten Bureau Veritas verhindert. Herz steht nicht alleine. So hat die Piëch-Familie nicht nur das Sagen bei Porsche, sondern lenkt indirekt gleichzeitig die Geschicke von Europas größtem Autokonzern VW. Die Zwillinge Andreas und Thomas Strüngmann, die Milliarden durch den Verkauf des Generikaherstellers Hexal einnahmen, zählen zu den potenziellen Käufern von Aktienpaketen im Pharmabereich. Als weitere Namen, die sich ein Milliardenengagement leisten können, werden unter anderem die Familien Haindl, Happel, Hopp, Oetker, Werhahn, Claus Jacob, Haniel, Heraeus, Bauer oder Burda von Insidern genannt.

Für Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions und Vice President bei Siemens, bleibt die Frage nach dem Schutz vor Überfremdung ein Dauerbrenner. „Belegschaftsaktionäre reichen nicht aus, um einen stabilen Block einzuziehen, der nicht überstimmt werden kann“, urteilt er. Der aber nach Ansicht von Hermann Wagner, Vorstandsmitglied beim Unternehmensberater Ernst & Young, notwendig ist, um eine strategische Ausrichtung in einer Gesellschaft umsetzen zu können. Ohnehin habe sich gezeigt, dass „Unternehmen unter dem Einfluss von Familienaktionären langfristig eine bessere Kursentwicklung aufweisen.“ Als Beispiele nennt er die Autobauer BMW und Porsche. Es werde der Druck verringert, bei den Ergebnissen von Quartal zu Quartal zu denken, argumentiert Wagner.

In der Regel engagieren sich Familienaktionäre nach der Erfahrung von Privatbanker Pfundt mindestens fünf bis sieben Jahre in einem Unternehmen. Sie legten Wert auf eine langfristig stabile, attraktive Rendite, die aber nicht auf dem Niveau liegen müsse, das Finanzinvestoren und Hedge-Fonds erzielten. Für die Unternehmen müsse aber klar sein, dass „Familieninvestoren den Vorstand aktiv begleiten“, sagt der Mitinhaber. Das geht nicht immer ohne Reibereien ab, wie das Beispiel der Herz-Geschwister und Puma zeigt, wo schon einmal öffentlich über den richtigen Weg gestritten wird. Deswegen fürchten Vorstände nach dem Eindruck von Lucks Investoren, die kommen und die Unternehmensstrategie umkrempeln.

Neben den Industriellenfamilien gelten Großinvestoren aus dem Nahen Osten als attraktive Partner, wenn es gilt, einen stabilen Investor zu gewinnen. Die Investoren aus der Region haben „in den letzten Monaten zunehmend Anlagedruck gespürt“, stellt Hermann Prelle, Vorstand von UBS in Deutschland, fest. Dabei komme auch Deutschland als Investitionsstandort in Frage, denn arabische Investoren wollten ihre Anlagen abseits der USA diversifizieren, sagt Pfundt. Hier spiele Europa eine wichtige Rolle, da es näher liege als Asien und die Kultur leichter zu verstehen sei. Allerdings warten sie nach der Meinung von Prelle auf niedrigere Aktienkurse und „können durchaus zwölf bis 18 Monate nur zuschauen“.

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