Schwache Autokonjunktur
BMW verschärft Sparanstrengungen

Der BMW-Konzern will sein bisheriges Sparprogramm „Number One“ im kommenden Jahr ausweiten. Ziel sei es, zusätzlich bis zu 200 Mio. Euro in Verwaltung und Vertrieb einzusparen, heißt es in Konzernkreisen. Die Münchener reagieren damit auf die schwache Autokonjunktur, die sich nach Einschätzung von BMW auch im kommenden Jahr nicht erholen wird.
  • 0

MÜNCHEN. Die neue Sparrunde hatte Finanzvorstand Friedrich Eichiner bereits bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal angekündigt. „Aktuell werden im Unternehmen zahlreiche Maßnahmen zur Kostensenkung angestoßen“, sagte Eichiner. Die Pläne fußen zum Teil auf Empfehlungen der Unternehmensberatung McKinsey, die Eichiners verstorbener Vorgänger Michael Ganal bereits beauftragt hatte.

Ambitionierte Ziele für 2012

Der Druck zu handeln wächst: Im dritten Quartal hatte BMW erneut einen Verlust in der Autosparte gemeldet, nur knapp wird der Konzern 2009 in den schwarzen Zahlen bleiben. Gleichzeitig bestätigte BMW die ambitionierten Renditeziele für das Jahr 2012: Demnach wollen die Münchener eine Umsatzrendite im Autogeschäft von acht bis zehn Prozent einfahren. Dieses Ziel gab das Management jedoch für einen Absatz von 1,8 Millionen Autos aus – eine Annahme, die nicht mehr zu halten ist: BMW rechnet jetzt bestenfalls noch mit 1,6 Millionen verkauften Autos für 2012. „Also müssen wir nachsteuern“, heißt es aus Konzernkreisen.

Ein Projekt ist die deutliche Straffung des europäischen Vertriebsnetzes. So arbeitet der Chef des Europa-Vertriebs, Ludwig Willisch, an einem Plan, die zahlreichen Europa-Gesellschaften zusammenzulegen. „Am Ende könnte eine große europäische Vertriebsgesellschaft stehen“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person. Vorbild ist die hochprofitable Holding Porsche Salzburg der Familien Porsche und Piëch. Diese wickelt den gesamten Osteuropa-Vertrieb des Volkswagen-Konzerns ab. BMW-Chef Norbert Reithofer will im Januar entscheiden, ob BMW eine ähnliche Struktur aufbaut.

Bereits beschlossen ist die deutliche Stärkung des Finanzressorts. Die Controlling-Funktionen der einzelnen Fachbereiche werden zentralisiert und dem Finanzressort unterstellt. Zum einen spart BMW über den Wegfall ganzer Abteilungen in den Fachbereichen, zum anderen haben Eichiners Controller damit besseren Durchgriff in das gesamte Unternehmen.

Weitere Einsparungen erhofft sich BMW durch die Standardisierung der konzerneigenen IT-Plattformen. Geprüft werde auch, ob bestimmte Bereiche ausgelagert werden können. 2008 hatte BMW die Mehrheit des hauseigenen IT-Dienstleisters „Cirquent“ an die japanische NTT verkauft.

Geld sparen will BMW im erhofften Aufschwung auch bei der Vergütung seiner Führungskräfte. Vor zwei Wochen hatte BMW mitgeteilt, die Entwicklung der erfolgsabhängigen Bonuszahlungen von Arbeitern und Führungskräften anzugleichen. Schafft BMW die erhoffte Ertragswende in den kommenden Jahren, dürfte das die Finanzen um einen zweistelligen Millionenbetrag weniger belasten als in den Boomjahren 2003 bis 2007.

Seite 1:

BMW verschärft Sparanstrengungen

Seite 2:

Kommentare zu " Schwache Autokonjunktur: BMW verschärft Sparanstrengungen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%