Schwache Produktionszahlen im Juni
Herber Rückschlag für deutsche Autobranche

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher sowie der Streik in der ostdeutschen Metallindustrie haben den deutschen Autoherstellern die Halbjahresbilanz verdorben.

Reuters FRANKFURT. Trotz deutlicher Rückschläge im Juni bei Produktion, Exporten und der Inlandsnachfrage erwarten Experten in der zweiten Jahreshälfte 2003 aber wieder eine Belebung. Die Hoffnungen der Branche ruhen dabei auch auf einer Fülle neuer Modelle, die zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im Herbst in Frankfurt ihre Premiere erleben sollen.

Nachdem die Autobauer von Januar bis Mai angesichts der schwachen Konjunktur noch verhältnismäßig starke Zuwächse bei Produktion und Exporten verbucht hatten, drückte ein überaus schwacher Juni die Halbjahresbilanz auf Vorjahresniveau. Exporte und Produktion brachen vergangenen Monat im Vorjahresvergleich zweistellig ein, die Zahl der Neuzulassungen ging nach zuletzt positiven Signalen ebenfalls deutlich zurück, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Der VDA machte vor allem die Streiks in der ostdeutschen Metallindustrie für das Einknicken der Produktions- und Verkaufszahlen verantwortlich. Zudem habe der Juni 2003 einen Arbeitstag weniger gehabt als im Vorjahr. Auch Autoexperte Ulrich Winzen von Marketing Systems bezeichnete den Juni als „Ausreißer“ in einer bisher eigentlich stabilen Entwicklung.

"Streiks haben Bremsspuren hinterlassen"

Produktion und Exporte der deutschen Autobauer sanken im Juni um jeweils fast 20 % auf 386 900 beziehungsweise 271 000 Personenwagen. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um fünf Prozent auf 292 000 Fahrzeuge. „Die Tarifauseinandersetzung hat eine Branche unnötigerweise getroffen, die bislang Konjunkturstütze der deutschen Volkswirtschaft war“, kommentierte der VDA. Die IG Metall hatte im vergangenen Monat zur Durchsetzung der 35-Stundenwoche in der ostdeutschen Metallindustrie zu Streiks aufgerufen. Betroffen waren in erster Linie Automobilzulieferer, weshalb aber Hersteller BMW ihre Fertigungsbänder teilweise stoppen mussten.

Die Streiks in Ostdeutschland hätten verhindert, dass die Ergebnisse der deutschen Automobilindustrie im Juni an die positive Entwicklung des Vormonats angeknüpft hätten, hieß es beim VDA. Im ersten Halbjahr 2003 stieg die Produktion der Autobauer in Deutschland daher nur noch um ein Prozent auf knapp 2,6 Mill. Pkw/Kombi. Für das Gesamtjahr peilt der VDA hier mehr als fünf Mill. Fahrzeuge an und damit etwas weniger als 2002. Die Neuzulassungen gingen in der ersten Jahreshälfte mit 1,67 Mill. sogar um ein Prozent zurück.

"Keine Auswirkungen des starken Euro zu erkennen"

Vor allem der Einbruch der Exporte im Juni traf die hiesige Automobilindustrie empfindlich. Die Ausfuhren hatten sich in den vergangenen Monaten angesichts der schwachen Binnenkonjunktur schließlich als Stütze erwiesen. Der VDA verwies darauf, dass die Exporte von Januar bis Mai noch um sechs Prozent auf 1,53 Mill. Autos gestiegen waren. Im ersten Halbjahr lagen die Ausfuhren mit 1,8 Mill. Autos nun gerade noch ein Prozent über dem Vorjahreswert. Der Branchenverband betonte, dass die gesunkenen Exporte jedoch nicht auf den starken Euro-Wechselkurs zum Dollar zurückzuführten seien. „Im Gegenteil haben wir im Juni in den USA wieder über dem Gesamtmarkt gelegen“, sagte ein Verbandssprecher.

Auto-Neuheiten sollen Wende einleiten

Autoexperten wie Marktforscher Winzen zeigen sich für den weiteren Jahresverlauf optimistisch, und auch der VDA sieht keine Veranlassung, seine Prognosen zu revidieren. Hoffnungen setzt die Branche vor allem auf die Einführung neuer Automodelle und damit auch auf die IAA im September. „Die neuen Modelle werden das Startsignal für eine Nachfragebelebung geben“, sagte Winzen. Im Umkehrschluss führe der bevorstehende Verkaufsstart etwa des neuen VW-Golf dazu, dass sich derzeit viele Verbraucher zurückhielten und den neuen Wagen abwarteten. Winzen ist aber sicher: „Wir haben den tiefsten Punkt erreicht. Das sehen wir in allen Kenngrößen und Frühindikatoren.“

Auch der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer äußert Zuversicht. Die IAA werde den Umschwung in der deutschen Automobilindustrie einleiten, ist er überzeugt. Vor allem die Markteinführung neuer Massenmodelle - wie der VW-Golf - werde den Markt beleben.

Nutzfahrzeugmarkt weiter schwach

Erneut schwach präsentierte sich im Juni die deutsche Nutzfahrzeugbranche. Um neun Prozent schrumpften die Neuzulassungen von Transportern, Bussen und Lkw in Deutschland, während Produktion und Exporte um 14 % beziehungsweise sieben Prozent zurückgingen. In den ersten sechs Monaten fielen die Rückgänge aber deutlich moderater aus, obgleich die Zahl der Neuzulassungen mit 130 600 um vier Prozent unter Vorjahr lag.

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