Schwacher Ausblick
BASF enttäuscht die Anleger

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF kann sich trotz umfangreicher Sparprogramme derzeit nicht erfolgreich gegen die schwache Branchenkonjunktur stemmen.

HB LONDON. Der operative Gewinnrückgang im dritten Quartal fiel deutlich stärker aus als von Analysten erwartet, und auch für das Gesamtjahr 2003 rechnet Vorstandschef Jürgen Hambrecht mit einem rückläufigen Betriebsergebnis. „Es zeichnete sich schon im Sommer ab, dass nur mit den allergrößten Anstrengungen das Ergebnis des Vorjahres erreichbar ist“, kommentierte Hambrecht am Donnerstag in London den Zwischenbericht des Ludwigshafener Unternehmens. Die Bemühungen von BASF um Kostensenkungen und Restrukturierungen im Konzern reichten aber alleine nicht aus, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld nicht nachhaltig verbessere, sagte er. Nunmehr rechnet BASF für das vierte Quartal und auch für das Gesamtjahr bei nur leicht steigendem Umsatz mit einem Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen - wie etwa Kosten für Restrukturierungen - unter dem Vorjahresniveau. Neben der allgemein schwachen Chemienachfrage spürt BASF vor allem die aktuell hohen Kosten für Rohstoffe sowie den starke Euro-Wechselkurs.

Branchenexperten sprachen am Morgen überwiegend von enttäuschenden Zahlen und bemängelten den ihrer Einschätzung nach schwachen Geschäftsausblick. Auch hatten sie sich - zunächst vergeblich - Aussagen über die vom Vorstand erwartete Entwicklung im Jahr 2004 erhofft. Die BASF-Aktie legte gleichwohl am Morgen mit dem Gesamtmarkt zu und notierte 1,2 Prozent im Plus bei 42 Euro. Der vor einer strategischen Neuausrichtung stehende Bayer-Konzern hatte im dritten Quartal die schwache Chemiekonjunktur ebenso empfindlich zu spüren bekommen.

BETRIEBSGEWINN IN Q3 DEUTLICH GESUNKEN Das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen brach im dritten Quartal um fast ein Drittel auf 403 Millionen Euro ein. Von Reuters befragte Analysten hatten trotz der Schwierigkeiten bei BASF immerhin 440 Millionen Euro erwartet. Unter dem Strich sackte der Konzernüberschuss den Angaben zufolge sogar um mehr als die Hälfte auf 120 Millionen Euro ab. Der Quartalsumsatz legte indes um 2,1 Prozent auf 7,74 Milliarden Euro zu. BASF habe die Verkaufspreise nur leicht anheben können. Insbesondere im Chemiegeschäft blieben sie auf einem „unbefriedigenden Niveau“, teilte BASF mit.

HAMBRECHT MACHT ERSTE HOFFNUNGSSCHIMMER AUS Im laufenden Geschäft sieht BASF-Chef Hambrecht allerdings einige wenige positive Konjunktursignale. Die jüngsten Zahlen nährten die Hoffnung, dass gerade die Talsohle durchschritten werde. „Damit ist aber noch kein Durchbruch erreicht“, sagte er. „2003 bleibt ein schwieriges Jahr, das hat gerade das dritte Quartal gezeigt.“ Der Vorstand könne noch nicht sagen, wann die wirtschaftliche Belebung einsetze, wie stark sie werde und wie lange sie dann halte. BASF konzentriere sich daher auf seine Programme zur Senkung der Kosten und Stärkung des Geschäfts, sagte Hambrecht. Zu den konkreten Geschäftsaussichten im kommenden Jahr hielt sich BASF noch bedeckt.

ANALYSTEN - ZAHLEN SCHWÄCHER ALS ERWARTET „Die Zahlen sind etwas schwächer ausgefallen als ich erwartet hatte“, sagte Chemieanalystin Anke Kolck von der Vereins- und Westbank in einer ersten Reaktion. Negativ sei, dass BASF sich für das kommende Jahr nicht konkret geäußert habe. „Was am meisten enttäuscht ist, dass wir keine klare Richtungsvorgabe für den Ausblick 2004 bekommen haben“, sagte Stephan Thomas, Fondsmanager bei der Frankfurt Trust. Auch das vierte Quartal werde schwach sein und das unterstütze keineswegs die Hoffnungen auf eine Erholung in der Chemieindustrie. „Die Zahlen gefallen mir gar nicht“, sagte ein Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett.

NUR AGRO MIT ERGEBNISVERBESSERUNG Im dritten Quartal hatten alle Konzernbereiche - mit Ausnahme des Segments Pflanzenschutz und Ernährung - ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie Sonderfaktoren unter dem Vorjahresniveau verzeichnet. Das Geschäft mit Pflanzenschutz/Ernährung blieb allerdings defizitär. Das Agrochemiegeschäft ist saisonbedingt im dritten Quartal bei Chemiekonzernen schwach. Den größten Ergebnisbeitrag lieferte mit 271 Millionen Euro der Bereich Öl und Gas des Konzerns. Hier verzeichnete der Konzern ein Umsatzplus von 14,6 Prozent.

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