Schwacher Dollar belastet
Audi mit Rekordabsatz

Die VW-Tochter Audi hat im ersten Halbjahr 2003 weltweit so viele Autos der eigenen Marke verkauft wie noch nie, leidet aber stark unter dem schwachen Dollar. 388.000 Auslieferungen bedeuteten das beste erste Halbjahr in der Unternehmensgeschichte, sagte Audi-Chef Martin Winterkorn am Donnerstagabend vor dem Wirtschaftspresse-Club in Stuttgart.

Reuters STUTTGART. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte das Ingolstädter Unternehmen 382 500 Audi-Fahrzeuge verkauft. „Aber der Wechselkurs zwischen Dollar, Pfund und Euro ist für uns nicht gerade günstig“, sagte der Vorstandschef. Jeder Cent, den der US-Dollar gegenüber dem Euro nachgebe, belaste den Audi-Gewinn mit 25 bis 30 Mill. Euro, begründete er seine Skepsis gegenüber dem ursprünglichen Ziel, den Gewinn in diesem Jahr in etwa stabil zu halten.

Audi hatte sein Ertragsziel bereits auf der Hauptversammlung im Mai relativiert. „Wir haben dieses Ziel weiter im Visier, aber es wird massiv schwieriger, das zu erreichen“, ergänzte ein Sprecher seinen Vorstandschef. Mit einem Kostensenkungsprogramm sei es gelungen, die negativen Währungseffekte zum großen Teil aufzufangen, sagte Winterkorn. Im vergangenen Jahr hatte Audi vor Steuern 1,25 Mrd. Euro verdient. Nach früheren Angaben soll der Absatz 2003 auf 750 000 (742 128) Einheiten steigen.

In Deutschland hielt sich Audi im ersten Halbjahr 2003 nach eigenen Berechnungen besser als die größten Konkurrenten in der Oberklasse. Der Absatz der Marke Audi sank von Januar bis Juni um 3,1 Prozent auf 122.862 Einheiten. „Im Vergleich zu unseren Haupt-Wettbewerbern Mercedes und BMW haben wir ganz gut abgeschnitten“, sagte Winterkorn. „Wir sind nicht unzufrieden.“ BMW verzeichnete einen Absatzrückgang um knapp 8 Prozent, bei Mercedes waren es 5,4 Prozent weniger.

In Deutschland fehlt die Kauflust

An den Rahmenbedingungen werde sich bis Jahresende nichts ändern, zeigte sich der Audi-Chef pessimistisch. In Deutschland fehle einfach die Kauflust. „Wir schwanken zwischen Hoffnung und Zuversicht. Die Signale sind wechselhaft“, umriss Winterkorn die Lage in der Autobranche.

In Westeuropa ging der Audi-Absatz nach Angaben der Europäischen Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) während der ersten sechs Monate um 3,5 Prozent zurück. Auch hier kamen die Ingolstädter glimpflicher weg als BMW mit einem Minus von 4,7 Prozent, die Zulassungen bei Mercedes schrumpften dagegen nur um 1,9 Prozent.

Winterkorn hatte vor knapp eineinhalb Jahren überraschend den langjährigen Audi-Chef Franz Josef Paefgen abgelöst. „Ich bin angetreten, die Marke Audi sportlicher zu positionieren“, umriss er in Stuttgart seine Aufgabe. Der neue A3 und der A8 zeigten bereits, wohin die Reise gehe. Sichtbare Ergebnisse werde die neue Strategie wegen der langen Modellzyklen jedoch erst in zwei bis drei Jahren zeigen. Die Kooperation mit der Audi zugeordneten spanischen Seat-Gruppe komme gut voran. „Die nächsten Seat-Modelle werden die Handschrift von Audi tragen“, sagte er.

Audi-Vertriebschef Georg Flandorfer wechselt als Vorstand für den Vertrieb in Deutschland zur Konzernmutter Volkswagen nach Wolfsburg. Sein Nachfolger bei Audi wird Anfang Oktober Ralph Weyler.

Neue Frabrik ist kein Thema mehr

Eine Produktion von Audi-Fahrzeugen bei Seat sei derzeit kein Thema, wies Winterkorn frühere Überlegungen vom Tisch. In den nächsten fünf Jahren sei „keine Kapazitätserweiterung drin“. Paefgen hatte vor zwei Jahren laut über eine neue Audi-Fabrik nachgedacht. Auch Pläne über eine Fabrik in den USA lägen seit fünf Jahren in der Schublade, eine Produktion dort lohnte sich aber erst bei einem deutlich schwächeren Dollar. Stattdessen soll das Werk im schwäbischen Neckarsulm flexibler ausgestattet werden, um auf Nachfrageschwankungen besser reagieren zu können. Derzeit ist Neckarsulm, wo unter anderem der verkaufsschwache A2 montiert wird, unterausgelastet.

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