Schwacher Dollar
Starker Euro treibt deutsche Firmen in die USA

Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen in den USA will künftig ihre Produktionskapazitäten und Einkäufe in den USA erhöhen. Die Konzerne wollen so die Schwäche des Dollars für sich zu nutzen - und dem starken Euro ausweichen. Wobei nicht alle Perspektiven in den Vereinigten Staaten glänzend sind. Auf Präsident Barack Obama warten deutsche Unternehmer noch. Bislang vergeblich.

DÜSSELDORF. Das verstärkte Engagement deutscher Firman in den USA belegt eine Blitzumfrage der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter mehr als 500 Entscheidungsträgern in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. Allein seit Frühjahr hat der Euro fast 20 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet, seit 2002 sogar um 70 Prozent. Doch anders als noch im Weltwirtschaftsboom bis 2007 können die Firmen seit Beginn der Konjunkturkrise vor zwei Jahren nicht mehr die Preise erhöhen, um so die Währungsverluste an ihre Kunden weiterzureichen. Die Unternehmen versuchen deshalb, sich mit Hilfe lokaler Lieferanten in den USA unabhängiger vom teuren europäischen Markt zu machen.

Die Facetten solch eines „natural hedging“ reichen vom Verlagern des Einkaufs, der Logistik, Forschung und Entwicklung bis hin zur Errichtung ganzer Produktionsanlagen in den USA. So investiert beispielsweise der Chemiekonzern Wacker Chemie umgerechnet zunächst 790 Mio. Euro in Cleveland (Tennessee). Rund 600 Mitarbeiter sollen dort Polycilicium herstellen, einen Stoff, der in der Halbleiterindustrie und Solartechnologie verwendet wird. Der Windkraftanlagenhersteller Nordex errichtet im Bundesstaat Arkansas ein weiteres Werk und will im kommenden Jahr 20 Prozent seines Umsatzes in den USA erzielen. Ungeachtet der schwersten Automobilkrise bauen Volkswagen und BMW ihre Präsenz in den Staaten ebenfalls massiv aus. VW litt unter den deutschen Autoherstellern in der Vergangenheit stets am meisten, wenn der Euro an Wert gewann.

„Deutsche Unternehmen werden künftig aber auch noch mehr als bisher nach US-Firmen Ausschau halten. Mit dem starken Euro sinkt der Kaufpreis“, sagt Lars Knorn, Leiter des New Yorker Büros von Droege. Bislang schaut sich nach eigenen Angaben gut ein Viertel der Befragten nach geeigneten Übernahmekandidaten in den USA um.

Wie der schwache Dollar Nutzen bringt

Der starke Euro macht europäische Produkte im Dollarraum teurer und damit schwerer verkäuflich. Das gilt ganz besonders in rezessiven Zeiten mit geringerer Nachfrage wie jetzt. Darauf reagieren die Firmen mit Verlagerung von Fertigung und Einkauf in den Dollarraum.

Unter dem schwachen Dollar leiden besonders Unternehmen aus den Branchen Industrie, Pharma und Chemie. Grund dafür ist ihre starke Abhängigkeit von Exporten in den Dollarraum. Währungsexperten der WestLB haben schon vor Jahren auf die anhaltende Dollarschwäche hingewiesen und in einem Modell die Konsequenzen einer nur zehnprozentigen Euro-Aufwertung für Umsatz, Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie die Ebit-Margen ausgerechnet. Auf dieser Grundlage würden deutsche Chemiefirmen ein um 6,3 Prozent schlechteres Ebit einfahren, 8,5 Prozent wären es im Pharmabereich. Noch drastischer wären die Gewinneinbußen bei Automobil- (minus 15 Prozent) und Industriefirmen (minus 24 Prozent). Dabei gilt allerdings zu berücksichtigen, dass solch ein Modell Absicherungen gegen Währungsschwankungen an den Finanzmärkten (financial Hedging) mit Hilfe von Derivaten nicht berücksichtigt.

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