Schwacher Rubel

Geschäfte der Maschinenbauer brechen in Russland ein

Von Platz vier auf Platz zehn: Der Anteil deutscher Maschinen-Exporte nach Russland nimmt dramatisch ab. Grund dafür ist die Krise im größten Land der Welt. Nun will eine russische Staatsbank das Problem lösen.
Während das Gesamtvolumen geschrumpft ist, konnten deutsche Maschinenbauer ihren Marktanteil zumindest etwa halten. Quelle: dpa
Marktanteile gehalten

Während das Gesamtvolumen geschrumpft ist, konnten deutsche Maschinenbauer ihren Marktanteil zumindest etwa halten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDen Geschäften der deutschen Maschinenbauer hat im Jahre 2015 die Wirtschaftskrise in Russland schwer zu schaffen gemacht. Die Exporte in das Land seien um 27 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro gesunken, sagte der Präsident des Branchenverbandes, Reinhold Festge, am Donnerstag. Russland sei im Ranking der Maschinenexporte auf Rang zehn von Platz vier abgerutscht. Weniger die Sanktionen als Rubelschwäche und Wirtschaftskrise seien Gründe für die Misere. Festge will mit Hilfe der russischen Sberbank gegensteuern: „Zur Unterstützung der Geschäftsbeziehungen ist der VDMA mit der Sberbank im Gespräch zur Suche nach Lösungen für das Finanzierungsproblem für Projekte in Russland.“

Anders als befürchtet habe China in Russland aber nicht profitieren können. „Im Gegenteil: Wir konnten unseren Marktanteil bei schrumpfendem Gesamtabsatz halten.“ Die chinesischen Wettbewerber hätten dagegen Anteile verloren. Neben Russland schrumpften allerdings auch die Geschäfte in China – dem Hauptabsatzmarkt der deutschen Maschinenbauer. So sanken die Exporte in die Volksrepublik um fünf Prozent auf gut 16 Milliarden Euro.

Festge bekräftigte die Jahresziele der Branche, die mit ihren über eine Million Beschäftigten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gilt. Demnach wird die Produktion sowohl in diesem wie im kommendem Jahr stagnieren, allerdings mit etwa 200 Milliarden Euro auf hohem Niveau.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

  • rtr
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