Schwäche in Russland
Opel macht Millionenverlust trotz Absatzplus

Der Opel-Absatz zieht wieder an - und auch im operativen Geschäft können die Rüsselsheimer ihre Verluste eindämmen. Das Desaster in Russland hinterlässt allerdings noch deutliche Spuren in der Bilanz.
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Rüsselsheim/DetroitBeim Absatz macht Opel Fortschritte, doch unterm Strich steht weiterhin ein Millionenverlust. Das belegen die jüngsten Quartalszahlen des Mutterkonzerns General Motors (GM). In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres hat die europäische Tochter des amerikanischen GM-Konzerns einen Verlust von 239 Millionen Dollar (rund 186 Millionen Euro) einfahren. Damit verbessert Opel das Ergebnis leicht, im Vorjahresquartal war noch ein Verlust von 284 Millionen Dollar angefallen.

Doch zwei Umstände dürften die Freude trüben: Zum einen sind im Verlust des Vorjahres auch rund 200 Millionen Dollar Restrukturierungskosten aus der Schließung des Bochumer Werks enthalten. Obwohl diese Restrukturierungskosten im aktuellen Quartal wegfallen, konnten die Verluste nicht in gleichem Umfang gesenkt werden. Zum anderen wurden die Kosten für den Rückzug aus Russland nicht ins operative Ergebnis eingerechnet. Diese beziffert GM im ersten Quartal auf 400 Millionen Dollar.

Trotz der jüngsten Millionenverluste bleibt Opel-Chef Neumann in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter, das dem Handelsblatt vorliegt, optimistisch: „Dass wir unsere Verluste reduziert haben, bringt uns unserem nächsten großen Ziel näher: 2016 wieder profitabel zu werden.“ Man habe zum neunten Mal in Folge die internen Quartalsziele übertroffen. Rückenwind erwartet Opel von einer runderneuerten Modellpalette im Kleinwagen-Segment und dem neuen Opel Astra, der im Herbst seine Premiere feiert.

Im ersten Quartal konnte Opel nahezu 280.000 Fahrzeuge (plus 3,1 Prozent) verkaufen und den Marktanteil auf 5,83 Prozent verbessern. „Es war keine leichte Aufgabe, denn der träge europäische Automobilmarkt und der Absatzeinbruch in Russland haben es uns sehr schwer gemacht“, so Neumann weiter.

Der Russland-Absatz der beiden GM-Töchter war in den ersten Monaten des Jahres um 74,6 Prozent eingebrochen. Gemeinsam hatten Opel und Chevrolet landesweit nur noch einige tausend Autos verkauft. Darum hatte Opel-Chef Neumann vor wenigen Wochen in einem Interview mit dem Handelsblatt angekündigt, sich nahezu komplett aus dem russischen Markt zurückzuziehen. Die Produktion im Werk Sankt Petersburg soll komplett stillgelegt werden. Den meisten russischen Händlern soll der Vertrag gekündigt werden.

Trotz zusätzlicher Belastungen konnte GM den Konzerngewinn im ersten Quartal insgesamt deutlich steigern. Unterm Strich fuhr der amerikanische Autobauer einen Gewinn von 945 Millionen Dollar, bei weltweit 2,4 Millionen verkauften Autos. Im Vorjahreszeitraum waren es wegen hoher Sonderlasten durch den Skandal um defekte Zündschlösser nur 125 Millionen Dollar gewesen.

An der Börse standen GM-Aktien am Donnerstag dennoch unter Druck und verloren mehr als drei Prozent an Wert. Das Quartalsergebnis des Konzerns fiel schwächer aus als am Markt erwartet. Zudem sank der Umsatz um 4,5 Prozent auf 35,7 Milliarden Dollar. GM hat auch große Probleme in Südamerika.

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