Schwächelnder Absatz
Peugeot-Chef deutet neue Strategie an

Jean-Martin Folz, scheidender Chef des Autokonzerns PSA Peugeot Citroën, schließt einen Strategiewechsel nach seinem Ausscheiden Anfang 2007 nicht aus. Nach zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens wolle er Platz machen für einen Mann mit einem neuen Ansatz, sagte Folz dem Handelsblatt auf dem Automobilsalon in Paris.

PARIS. Er bestritt aber, dass er wegen eines Strategiestreits mit der Familie Peugeot, dem Großaktionär der Gruppe, die Konzernführung abgibt: „Es gibt keinerlei Konflikte mit Thierry Peugeot“, sagte Folz. „Ich habe ihm vor längerer Zeit meinen Entschluss mitgeteilt.“ Die Tatsache, dass der Konzern Folz’ Rücktritt öffentlich machte, ohne dass bereits ein Nachfolger feststeht, begründete er mit „der Sorge vor Informationslecks“ in Bezug auf seinen Plan, PSA zu verlassen.

Am 8. September hatte PSA mit der Mitteilung überrascht, dass Konzernchef Folz im Frühjahr 2007 die Führung aus der Hand geben will. Angesichts der Probleme des Konzerns hatten Analysten einen Strategiekonflikt mit der Peugeot-Familie vermutet, die 30 Prozent an dem Konzern hält. Die Gruppe leidet unter sinkenden Verkäufen im Stamm-Markt Westeuropa, der Markt-Anteil ist unter die Marke von 14 Prozent gefallen. Die sinkenden Absatzzahlen gepaart mit erhöhten Kosten für Rohstoffe und die Umstellung auf eine neue Abgasnorm haben die Marge der Automobilsparte von PSA auf rund ein Prozent gedrückt.

Folz erklärte, dass er Anfang 2007 das Unternehmen komplett verlassen werde und kein Mandat im Aufsichtsrat anstrebe. „Was ich hinterher mache, weiß ich noch nicht.“ Mit der Nachfolgersuche habe er nichts zu tun, dies sei Sache des Aufsichtsrats. „Daher habe ich keine Meinung dazu, ob ein interner oder externer Kandidat die bessere Wahl ist.“ Chancen werden Gilles Michel, dem Leiter für den Einkauf und die Plattformen, eingeräumt. Doch angesichts der Probleme des Konzerns hoffen Analysten auf eine externe Lösung.

Trotz Ankündigung des neuen Sparplans wollte Folz die Jahresziele nicht bestätigen, denen zufolge der Konzern eine Marge auf Niveau des ersten Halbjahres von 2,4 Prozent anstrebt. „Um das Ziel zu bestätigen, muss ich wissen, wie unsere Verkäufe in Westeuropa im September und Oktober waren. Doch diese kenne ich noch nicht“, begründete er seine Vorsicht. Wettbewerber Renault hat dagegen seine Jahresziele auf dem Auto-Salon bekräftigt. Er strebt seine Marge von 2,5 Prozent an. Am vergangenen Dienstag hatte PSA ein Sparpaket vorgelegt, das kurzfristig dem Margendruck etwas entgegen setzen soll: Mit Sicht auf ein Jahr sollen 10 000 Stellen gestrichen werden, die Investitionen sollen pro Jahr um 500 Mill. Euro gesenkt sowie 125 Mill. Euro bei den Allgemeinkosten gespart werden. Die Analysten der Société Générale hatten den Plan als „lediglich ersten Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet, dennoch legte die PSA-Aktie deutlich zu. Folz hält es nicht für sinnvoll, wie etwa Wettbewerber Renault sein Heil in großen, industriellen Allianzen zu suchen, um die Kosten zu drücken. „Alles, womit Renault und Nissan ihre Allianz begründen, erreichen wir mit unseren gezielten Partnerschaften“, meint Folz und nennt gemeinsame Plattformen und höhere Volumen durch die Kooperationen als Beispiele. Unter anderem baut der Konzern zusammen mit BMW Benzinmotoren und produziert mit Toyota in der Slowakei Kleinwagen.

Bei der Produktpalette sehen Analysten die größten Schwächen. PSA ist zu fokussiert auf Kleinwagen und hat profitable Nischen wie Sport Utilitiy Vehicules (SUV) zu spät erkannt, meint zum Beispiel Jean-Marc Dutu, Analyst bei Meeschaert Asset Management. Ferner sei Peugeot Citroën immer noch zu abhängig vom westeuropäischen Markt. Daher will Folz die internationale Präsenz weiter ausbauen – etwa durch ein neues Werk in Russland oder eine Kooperation mit der malayischen Proton, über die derzeit verhandelt wird. Trotz der Erfolge von Renault mit dem Logan der Tochter Dacia ist Folz noch nicht davon überzeugt, „dass es für solch ein Fahrzeug wirklich einen Markt gibt.“

Als große Herausforderung für seinen Nachfolger sieht Folz die Rückkehr von Peugeot Citroën in die USA. „Eine Gruppe wie unsere muss dort eigentlich vertreten sein.“

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