Schwan Stabilo-Chef Schwanhäußer
„Von Banken sind wir nicht abhängig“

Gute Stifte finden auch in der Wirtschaftskrise ihre Abnehmer. Sebastian Schwanhäußer, Chef und Mit-Eigentümer von Schwan Stabilo, spricht im Handelsblatt-Interview über den Nutzwert guter Stifte, die Perspektiven seiner Sparte Kosmetikstifte sowie die Übernahme des Rucksack-Anbieters Deuter. Einblicke in ein buntes Firmenimperium.

Handelsblatt: Herr Schwanhäußer, im Büro nutzen die Leute Computer, um Texte zu schreiben, unterwegs ihr Handy. Den Stift in der Hand sieht man immer seltener. Haben Sie Angst, dass Ihnen die Arbeit ausgeht?

Sebastian Schwanhäußer: Wir haben uns diese Frage schon vor Jahren gestellt und stellen fest: Obwohl jeder Deutsche im Schnitt 30 Stifte zuhause hat, werden immer noch neue gekauft. Dazu kommt: Kinder lernen das Schreiben mit Stiften, und das wird auch so bleiben.

Trotzdem: Kaum jemand macht sich doch Gedanken, mit welchen Stiften er schreibt.

Das stimmt nicht. Große Konzerne mögen vielleicht ihre Aufträge für Stifte ausschreiben und rein nach Preis kaufen. In vielen kleineren Firmen sieht das anders aus. Architekturbüros oder Werbeagenturen wollen vom Design her ansprechende Produkte und sparen nicht daran. Das gilt auch für Lehrer, die unsere ergonomischen Stifte sehr gerne einsetzen und dies auch den Eltern empfehlen.

Nach einem Wachstumsmarkt hört sich das nicht gerade an.

Der Markt mag stagnieren, wir aber sind mit unseren Stiften im letzten Geschäftsjahr um 16 Prozent gewachsen. Selbst wenn jetzt in der Rezession drastisch weniger Stifte gekauft würden, hätten wir doch alle Chancen, zuzulegen. Schließlich beträgt unser Weltmarktanteil gerade einmal ein, zwei Prozent.

Kaufen die Leute in der Krise denn weniger Stifte?

Natürlich kauft jetzt kein Unternehmen übermäßig Büromaterial ein, vor allem Banken und Versicherungen halten sich zurück. Aber wir haben keinen Einbruch. Allerdings stellen wir fest, dass die Händler vorsichtiger ordern. Das heißt: Die Anzahl der Aufträge ist hoch, doch der Wert hat abgenommen. Das kostet uns eine Menge Geld in der Logistik.

Sie verzichten auf Sparmaßnahmen wie andere Unternehmen?

Wir planen zurückhaltend und gehen davon aus, dass wir dieses Jahr nicht wachsen. Das ist aber kein Weltuntergang. Den geplanten Neubau unserer Konzernzentrale haben wir erst einmal auf Eis gelegt. Es passt einfach nicht in die Zeit, sich höhere Fixkosten aufzuhalsen. Neue Maschinen kaufen wir aber weiterhin und auch an der Entwicklung und im Marketing sparen wir nicht.

Kaum jemand weiß, dass Schwan-Stabilo der größte Produzent von Kosmetikstiften weltweit ist. Das Geschäft mit den teuren Accessoires leidet doch massiv unter der Wirtschaftsflaute, oder?

Wir sind der Käuferin vor dem Kosmetikregal unbekannt, weil wir nicht unter eigenem Namen verkaufen. Wegen der Rezession werden wir nicht gleich nervös. Denn auch auf diesem Feld rechnen wir langfristig mit kräftigem Wachstum. Das soll einerseits aus Stiften kommen, die einen Zusatznutzen bieten wie etwa medizinische Wirkstoffe. Andererseits gibt es Millionen Frauen auf der Welt, die sich noch nicht schminken.

Sie haben derzeit keine Probleme, von Banken Geld zu bekommen?

Wir brauchen die Finanzinstitute nur, um saisonale Schwankungen auszugleichen. Das klappt noch einwandfrei. Ich habe sogar den Eindruck, die Banker interessieren sich stärker für uns, weil wir so solide dastehen. Ansonsten sind wir von Banken unabhängig und wollen das auch bleiben.

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