Schwarze Kassen
Siemens-Spitze kämpft um den guten Ruf

Während Kleinfeld und von Pierer in einen Brief an Mitarbeiter und Aufsichtsrat ein "kompromissloses Aufräumen" ankündigen, soll nach Presseinformationen auch die Konzernspitze über die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen informiert gewesen sein.

DÜSSELDORF. Die Ermittlungen um schwarze Kassen im Siemens-Konzern rühren nach Ansicht von Konzern-Chef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer an die "Fundamente unseres auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmens". Dies schreiben die beiden Manager in einem gemeinsamen Brief an die Mitarbeiter und den Aufsichtsrat, der in der kommenden Mitarbeiterzeitung veröffentlicht werden soll und dem Handelsblatt vorliegt.

Über die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen von Siemens soll laut „Süddeutscher Zeitung“ auch die Konzernspitze informiert gewesen sein. Nach Aussage eines langjährigen Mitarbeiters, der in Untersuchungshaft sitze, kannte ein früherer Vorstand schwarze Kassen und Korruptionspraktiken des Konzerns. Der damalige Mitarbeiter, der bei der Staatsanwaltschaft als zentrale Figur in dem Skandal gelte, legte nach Informationen der Zeitung ein umfassendes Geständnis ab und habe den Ex-Vorstand „schwer belastet“. Dieser habe über Schwarzgelder und weltweite Korruption Bescheid gewusst. Der Beschuldigte arbeite mittlerweile nicht mehr bei Siemens, er wechselte vor wenigen Monaten an die Spitze eines anderen Unternehmens, schreibt die „SZ“.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zehn aktive und ehemalige Siemens-Mitarbeiter sowie zwei weitere Verdächtige des Konzernbereichs Telekommunikation (Com) wegen des Verdachts auf Untreue, sechs Personen sind in Haft, darunter zwei ehemalige Bereichsvorstände. Die Beschuldigten sollen sich zu einer Bande zusammengeschlossen haben und so seit Jahren insgesamt mindestens 200 Mill. Euro in schwarze Kassen im Ausland verschoben haben. Der Vorwurf der Ermittler, bei Siemens sei es zu einer "Bandenbildung" gekommen, hat die Siemens-Führung spürbar erschüttert.

"Die schlimmen Nachrichten über immer neue Einzelheiten, die sich aus den bisherigen Ermittlungen ergeben, richten großen Schaden an", schreiben die beiden Konzernlenker. Dabei spiele es letzlich keine Rolle, ob es sich um Verdachstfälle oder tatsächlich bewiesene Taten handele. Man werde "kompromisslos" im Konzern aufräumen, kündigen die Manager an. Siemens sei ein Unternehmen mit einer "glanzvollen 160jährigen Geschichte", es dürfe aus der "gegenwärtigen Phase der Unsicherheit" nicht geschwächt hervorgehen.

Von Pierer und Kleinfeld appellieren daher an die Mitarbeiter, gerade "in schweren Zeiten zusammenzustehen." Die Siemens-Spitze bekräftigte allerdings, man habe in den vergagenen Jahren viel getan, um ein verlässliches Kontrollsystem einzurichten, kein Mitarbeiter könne sich daher daruf berufen, er habe nicht gewusst, was von ihm in Sachen Verhaltensethik erwartet werde.

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