Schwarze Konten
Siemens wusste seit 2004 von Ermittlungen

Die deutschen Ermittler sind erst 2006 auf mutmaßliche schwarzen Konten von Siemens aufmerksam geworden, die Schweizer 2005. Die Liechtensteiner Kollegen waren da schneller, wie eine Zeitung herausgefunden hat. Sie hegen bereits seit 2004 den Verdacht, dass der Konzern Schmiergeld-Parkplätze im Land angelegt hat. Siemens war demnach über den Fund informiert – und blockte ab.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Donnerstagsausgabe schreibt, ermitteln die Liechtensteiner Behörden bereits seit zwei Jahren wegen schwarzer Kassen und daraus abgeflossener Schmiergeldzahlungen. Um Licht ins Dunkel zu bringen, wollten die Ermittler laut des Berichts ein Mitglied des Siemens-Aufsichtsrats vernehmen. Doch ein Siemens-Anwalt habe abgelehnt. Das gehe aus mehreren Briefwechseln in diesem und im vergangenen Jahr hervor, heißt es weiter.

Mit diesen Erkenntnissen am Mittwoch konfrontiert, habe ein Aufsichtsratsmitglied mit Erstaunen reagiert. Man habe in dem Gremium nichts von den Ermittlungen in Liechtenstein gewusst. Und das obwohl, wie die Zeitung schreibt, Siemens seit zwei Jahren von den Untersuchungen der Behörden im Nachbarland gewusst habe. Der Konzern soll demnach sogar mehrere Millionen Euro aus Liechtenstein zurückgebucht haben.

Siemens teilte auf Anfrage der „Süddeutschen Zeitung“ mit, das zuständige Vorstandsmitglied sei im Dezember 2004 über die Ermittlungen in Liechtenstein informiert worden. Warum der Konzern die deutsche Staatsanwaltschaft nicht einschaltete, ist unbekannt. Genauso unbekannt ist, warum der Aufsichtsrat nicht informiert wurde. Der sei, so zitiert die Zeitung ein Mitglied, erst 2005 mündlich unterrichtet worden – allerdings über die Ermittlungen in der Schweiz.

Konten in der Schweiz

Auch dort hat Siemens nach derzeitigem Kenntnisstand schwarze Kassen unterhalten. Ein Sprecher des Siemens-Konzerns hatten Ende November gegenüber dem Handelsblatt bestätigt, von Ermittlungen der Schweizer Behörden gewusst zu haben. Siemens habe daher frühzeitig einen Anwalt eingeschaltet, der mit den Schweizer Behörden zusammengearbeitet habe. Außerdem habe der Konzern intensive interne Untersuchungen veranlasst und den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates mehrfach über den Sachverhalt informiert. Um die Ermittlungen in der Schweiz nicht zu gefährden, habe man jedoch darauf verzichtet, Strafanzeige zu erstatten.

Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ hat Siemens in einem Schreiben erstmals die Existenz eines Bankkontos in der Schweiz eingeräumt, über das nach Ansicht von Ermittlern Schmiergelder für Aufträge im Ausland gewaschen worden sein sollen. Den Ausführungen von Siemens-Anwälten zufolge zählte das Konto zu den „finanziellen Interessen“ des Konzerns.

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