Schweden soll neuen Saab bauen
GM zieht Bauauftrag von Opel ab

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) hat bei den Produktionsplänen für Europa eine Kurskorrektur vollzogen. Der Konzern hat offenbar vor, in Kürze die Fertigung der nächsten Generation des Saab-Modells 9-3 statt nach Rüsselsheim ins Stammwerk der Schweden zu vergeben.

FRANKFURT. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird sich der GM-Aufsichtsrat voraussichtlich im Juni mit dem Thema befassen. Der Autobauer gibt damit dem schlecht ausgelasteten Saab-Werk Trollhättan den Vorzug vor dem Opel-Stammwerk, das den Wagen der Planung nach ursprünglich hätte bauen sollen.

Zum Ausgleich erwäge das GM-Management um Europachef Carl Forster, -Peter Aufträge auf Basis der Astra-Plattform oder des Chevrolet Epica nach Rüsselsheim zu vergeben, heißt es im Konzern. Ein Sprecher von GM Europa (GME) wollte die Pläne nicht kommentieren: "Unser Management äußert sich im Moment noch nicht zum Produktionsstandort des zukünftigen Saab 9-3." Das Management habe aber gerade glasklare Zusagen für Auftragsvolumina an die Werke gegeben. Hieran werde sich der Hersteller halten, sagte der Sprecher.

2005 hatte GM dem Werk Rüsselsheim zugesagt, dass dort die künftige Mittelklasse von Saab gefertigt werden würde. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen plant der Autokonzern nun aber, den Nachfolger des Saab 9-3, der voraussichtlich 2012 auf den Markt kommt, nicht mehr auf der alten Vectra-Plattform, sondern auf Basis einer neuen Kompaktwagen-Plattform zu bauen.

Der Betriebsratschef des Werkes Bochum, Rainer Einenkel, hatte bereits in der Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" angekündigt, sein Standort werde sich um das Modell bewerben. Bochum ist eines von künftig vier GM-Astra-Werken in Europa und hätte auf dieser Basis auch den kommenden Saab 9-3 fertigen können. Doch der US-Konzern will offenbar mit dem Modell lieber die Kapazitäten im Werk in Trollhättan auffüllen, wo künftig laut Unternehmenskreisen voraussichtlich auch der geplante Saab-Kleinwagen 9-1 gebaut werden soll.

Ein Jahr nach der Standort-Entscheidung für das wichtigste GM-Modell in Europa, dem Kompaktwagen Astra, ist intern damit das Rennen um den Fertigungsstandort für das momentan kleinste Saab-Modell so gut wie entschieden. Offen ist dagegen noch, mit welchem Wagen das GM-Management statt dessen im Opel-Stammwerk Rüsselsheim die bereits zugesagten Kapazitäten und Modelle sicherstellen will.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz betonte jüngst, er gehe davon aus, dass GM sich an seine Zusicherungen halte. "Wir haben einen unterschriebenen Vertrag mit dem Management, in dem Kapazitäten und Volumen definitiv festgeschrieben sind", sagte er. GM hatte dem Betriebsrat in einer Vereinbarung vom Herbst vergangenen Jahres zugesagt, bis 2012 sechs GM-Modellvarianten in Rüsselsheim zu fertigen. Derzeit werden in Rüsselsheim ausschließlich die Mittelklassemodelle Vectra und Signum produziert, die ab November vom Insignia abgelöst werden.

GM strukturiert damit nach der Neuvergabe der wichtigen Astra-Fertigung an die Werke Bochum, Gleiwitz und Ellesmere Port seine Produktionspläne für die europäischen Standorte weiter um. Erst vergangene Woche hatte der auf dem Heimatmarkt tiefrote Zahlen schreibende Konzern Investitionen in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro in seine Kernmarke Opel bis zum Jahr 2012 angekündigt und eine Bestandsgarantie für die Astra-Werke, darunter Bochum, bis zum Jahr 2016 abgegeben.

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