Schwedische GM-Tochter
Saab verhandelt mit 20 Interessenten

An der in Konkurs gegangenen schwedischen GM-Tochter Saab sind dem Insolvenzverwalter zufolge rund 20 Firmen interessiert.

STOCKHOLM. Der schwer angeschlagene schwedische Auto-Hersteller Saab verhandelt nach Angaben von Zwangsverwalter Guy Lofalk derzeit mit mehr als 20 Interessenten über eine Übernahme. Die schwedische Kultmarke steht zum Verkauf, nachdem sich der selbst in akute Zahlungsschwierigkeiten geratene Mutterkonzern General Motors von Saab trennen will.

Im Februar dieses Jahres wurde Saab unter Zwangsverwaltung gestellt und soll rekonstruiert werden. Welche Unternehmen sich unter den „mehr als 20 aktiven Interessenten“ befinden, wollte Lofalk am Montag nicht sagen. Er erklärte nur, dass die beauftragte Deutsche Bank Gespräche führe. Bis Juni soll ein neuer Käufer von Saab gefunden werden.

Lofalk hatte am Montag zusammen mit Saab-Gläubigern an einem Gläubigertreffen vor einem Gericht in Trollhättan teilgenommen. Der kleine Autobauer, der seit 1990 von GM kontrolliert wird und seitdem fast nur rote Zahlen eingefahren hat, strebt die Abschreibung von 75 Prozent seiner Schulden an. Zu den Gläubigern zählen neben dem schwedischen Staat auch der deutsche Reifenhersteller Continental und Beleuchtungsspezialist Hella.

Die Gläubiger hätten die weitere Rekonstruktion von Saab mit einem einfachen Veto stoppen können. Das hätte allerdings den sofortigen Konkurs des Unternehmens bedeutet. Die Gläubiger wären in diesem Fall leer ausgegangen. Am Montag stimmten deshalb erwartungsgemäß sämtliche Gläubiger für eine fortgesetzte Rekonstruktion des Unternehmens. Ende Mai läuft eine erste Rekonstruktionsfrist für Saab ab. Das Gericht kann sie jedoch verlängern.

Zwangsverwalter Lofalk rechnet damit, dass Saab bis Juni einen Käufer gefunden hat. Gleichzeitig betonte er, dass Saab eine Finanzierungshilfe in Höhe von 600 Mio. Dollar (444 Mio. Euro) von der Europäischen Investitionsbank (EIB) benötige. Das bedinge allerdings eine Kreditgarantie des schwedischen Staates. Außerdem solle GM rund 400 Mio. Dollar in Form von Kreditabschreibungen und Werkzeugen für die Produktion der neuen Modelle zuschießen.

Dem Rekonstruktionsplan zufolge will Saab bereits in zwei Jahren 150 000 PKW verkaufen. 2008 waren es nur 93 000, in diesem und im kommenden Jahr werden es sogar noch weniger sein, wie Saab-Chef Jan-Åke Jonsson sagte.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%