Schwedischer Autobauer
Stunde der Wahrheit für Saab

Für den unter Zwangsverwaltung stehenden schwedischen PKW-Produzenten Saab nähert sich die Stunde der Wahrheit: Konkurs oder Vergleich - diese Frage wird am heutigen Dienstag und am morgigen Mittwoch möglicherweise entschieden.

STOCKHOLM. Zunächst muss ein Gericht im westschwedischen Vänersborg über eine Verlängerung der "Rekonstruktionsphase" der schwer angeschlagenen Tochter des US-Riesen General Motors um drei Monate entscheiden. Am Mittwoch, sollen sich dann die rund 700 Gläubiger von Saab auf einen Vergleichsvorschlag einlassen. Nach den Vorstellungen des Saab-Zwangsverwalters Guy Lofalk will Saab allen Gläubigern 25 Prozent der angelaufenen Schulden bezahlen. Die Alternative wäre laut Lofalk ein regelrechter Konkurs. "Bei einem Konkurs werden die Gläubiger aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr als 15 Prozent zurückerhalten", heißt es in einem Schreiben an alle 700 Gläubiger.

Damit über einen Vergleich mit den Gläubigern überhaupt entschieden werden kann, ist die Zustimmung von 40 Prozent aller Gläubiger notwendig. Insgesamt hat Saab 10,5 Mrd. Kronen (991,95 Mio. Euro) Schulden. Rund 90 Prozent davon schuldet Saab dem Mutterkonzern GM, der sich bis spätestens 2010 von seiner schwedischen Tochter trennen will.

Nach Meinung von Experten wird GM einem Antrag auf Vergleich zustimmen. Der schwedische Staat als zweitgrößter Gläubiger dürfte einer Vergleichslösung auch keine Steine in den Weg legen. Die eigentliche Verhandlung über den Vergleich, bei der 75 Prozent der Gläubiger grünes Licht geben müssen, findet am 17. Juni statt.

Gleichzeitig verhandelt Saab derzeit "mit zwei bis drei Interessenten", wie Zwangsverwalter Lofalk bestätigte. Er nannte aber keine Namen. Er muss sich möglicherweise aber schon in der Verhandlung über eine Verlängerung der Firmenrekonstruktion in die Karten schauen lassen. Denn die schwedische Regierung will eine Kreditgarantie nur geben, wenn es ernst zu nehmende Interessenten für Saab gibt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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