Schwedischer Baukonzern
Bauriese Skanska will jede sechste Stelle streichen

Schwedens größter Baukonzern, Skanska, will wegen der Flaute auf dem Wohnungsbaumarkt 3400 Arbeitsplätze in Schweden, Finnland und Norwegen streichen. Das sind etwa 17 Prozent aller Stellen in Nordeuropa und knapp sechs Prozent der gesamten Arbeitsplätze.

STOCKHOLM. Die Maßnahme sei notwendig, um die drastisch gesunkene Nachfrage nach Wohnungen und Häusern kompensieren zu können, erklärte ein Skanska-Sprecher.

Die Stellenstreichungen sollen im ersten Halbjahr 2009 durchgeführt werden. Sie verursachen einmalige Kosten von 600 Mio. Kronen (58,1 Mio. Euro), die im vierten Quartal dieses Jahres verbucht werden. Die Aktie von Skanska gab an der Börse in Stockholm um mehr als fünf Prozent nach.

Skanska leidet wie viele andere Baukonzerne auch unter der Finanzkrise und dem Konjunktureinbruch: Nach mehreren Jahren mit ständig steigenden Immobilienpreisen ist der Markt fast zum Erliegen gekommen. Viele Baufirmen bieten derzeit ihre Objekte mit saftigen Rabatten an. So können Stockholmer zurzeit Eigentumswohnungen kaufen und brauchen im ersten Jahr keine Gebühren zu zahlen. Neue Mietwohnungen werden ebenfalls mit zum Teil deutlichen Nachlässen angeboten. Skanska rechnet deshalb mit einem 15-prozentigen Umsatzeinbruch im kommenden Jahr in Nordeuropa.

Wie angespannt die Lage im Bausektor ist, zeigt die Statistik der schwedischen Arbeitsmarktbehörde: Im Novemver vergangenen Jahres wurden in ganz Schweden 47 Stellen im Baugewerbe gestrichen. In diesem November sind es ohne die Skanska-Maßnahmen bereits 1444 Jobs - und der Monat ist noch nicht einmal zu Ende.

Die schwedische Gewerkschaft der Beschäftigten im Baugewerbe, Byggnads, forderte die Regierung auf, Stimulanz-Maßnahmen zu ergreifen. Der Byggnads-Vorsitzende Hans Tilly begründete seine Forderung mit der außergewöhnlichen Situation. Während der letzten großen Krise in der Branche in den neunziger Jahren hätten nordeuropäische Bauarbeiter leicht neue Jobs im Ausland finden können. Jetzt befände sich die Branche aber überall in der Krise, sodass diese Möglichkeit fehle. Er schlug deshalb vor, dass die Regierung steuerliche Anreize für Renovierungen und Umbauten anbieten solle.

Nach den ebenfalls schwedischenBaukonzernen NCC, JC und Peab ist Skanska bereits der vierte Bau-Riese, der sein Personal drastisch verringert.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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