Schweinegrippe
Japans Firmen wappnen sich gegen Grippe

Japans Großunternehmen bereiten sich auf die Schweinegrippe vor. Der weltgrößte Elektrokonzern Panasonic rief zum Beispiel Familien von Mitarbeitern aus Mexiko zurück und strich Dienstreisen in betroffene Gebiete. Sharp stellt Luftreiniger auf und Toyota verteilt Atemmasken. Die Sorgen sind groß.

TOKIO. Japans Großunternehmen bereiten sich auf die Schweinegrippe vor. Der weltgrößte Elektrokonzern Panasonic rief gestern Familien von Mitarbeitern aus Mexiko zurück und strich Dienstreisen in betroffene Gebiete. Das Unternehmen verfügt über detailliert ausgearbeitete Pläne für eine Reaktion auf eine weltweite Pandemie - schließlich operiert es auch weltweit. Allein in Mexiko betreibt Panasonic acht Standorte. Mit Ausruf der Pandemiestufe drei durch die Weltgesundheitsorganisation begann das Unternehmen mit Umsetzung einer Checkliste, um die Auswirkungen auf die Produktion zu verringern. Konkurrent Sharp wies seine Mitarbeiter ebenfalls an, Mexiko zu meiden machte sich darauf gefasst, einen längst ausgetüftelten Seuchenplan in Gang zu setzen. "Wenn die Weltgesundheitsorganisation Stufe vier einer Pandemie ausruft, treten vorher festgelegte Krisenstäbe in Japan und weltweit zusammen und managen die Gegenmaßnahmen", sagte Asano Yutaka, Vizechef der Sparte für Gesundheits- und Umwelttechnik, bei Vorstellung des Plans im Januar dieses Jahres. Ziel sei es, die Sicherheit der Mitarbeiter zu garantieren und möglichst den Fortgang der Geschäfte zu sichern. "Im Falle einer Pandemie werden Mitarbeiter aus der Verwaltung, die nicht zu den allerwichtigsten Stabsfunktionen zählen, zuhause bleiben können und möglichst Teleworking machen", sagte Asano. Sharp setzt auch auf die eigenen Produkte, um Infektionsrisiken zumindest etwas zu mildern. Weltweit hat das Unternehmen bereits 10 000 Luftreiniger in Büros und Verkaufsräumen aufgestellt, die virentötende Ionen ausstoßen. Eine gewisse Wirksamkeit der Maschinen gegen Viren hat unter anderem die Fachhochschule Aachen bestätigt, teilte des Unternehmen mit - wohl auch mit dem Gedanken, dass die weltweite Sorge dem Absatz der Geräte einen Schub geben könnte. Sharp stellt im mexikanischen Staat Baja California Flüssigkristallfernseher her. Dort arbeiten allerdings nur wenige Dutzend Japaner. Die professionellen Mitarbeiter bleiben anders als ihre Familien vorerst im Land. Das Unternehmen verbietet ihnen jedoch, Umgang mit der Bevölkerung zu pflegen. Sie sollten Atemmasken tragen und Menschenansammlungen vermeiden. Am Sharp-Standort Tokio wird Konzernvizepräsident Toshio Adachi die Anstrengungen gegen die Grippe koordinieren, falls es ernst wird. Seit Mitte April erkrankten in Mexiko mindestens 1600 Menschen an einer neuen Form der Grippe, deren Erreger sich vom Schwein kommend an den Menschen angepasst haben. Auch der weltgrößte Autohersteller Toyota nimmt das Problem ernst und lässt seine nordamerikanische Produktionsholding Optionen für den Weiterbetrieb seiner Werke in Mexiko für den Fall eines Seuchenausbruchs prüfen. Auch Toyota verfügt über Pandemie-Pläne, die seit Bekanntwerden der Gefahr durch Vogelgrippe in den Schubläden liegen. Vorerst lässt Toyota Atemmasken verteilen und fordert zu häufigem und gründlichem Händewaschen auf. Der Großkonzern Hitachi holt ebenfalls die Familien von Japanern zurück, die nach Mexiko entsandt sind, und stoppt alle Dienstreisen in das mittelamerikanische Land. Hitachi produziert dort Fernseher. Die Reisebüroketten JTB und Hankyu haben bereits sämtliche Pauschalreisen nach Mexiko gestrichen. Die Japanische Regierung bereitet am Flughafen Narita Quarantänebereiche vor, falls sich eintreffenden Passagiere finden, die unter Fieber leiden. In Japan beginnt am kommenden Wochenende die Hauptferiensaison, die jedes Jahr Anfang Mai durch einer Häufung von Feiertagen ausgelöst wird - in Nippon verreisen alle gleichzeitig. Die Japaner stürmen dann die Flughäfen und Bahnhöfe, um trotz knapper Urlaubstage zumindest eine Kurzreise ins In- oder Ausland unternehmen zu können. Die Regierung ist wegen dieser Häufung von Ansteckungsmöglichkeiten daher besonders besorgt, dass schon wenige Fälle in dem dicht besiedelten Land zu einer schnellen Ausbreitung der tödlichen Grippe führen könnten. "Wir müssen die Ausbreitung an den Grenzen stoppen", sagte Premier Taro Aso bei der Besichtigung eines Küstenwachschiffs. Er ernannte einen Krisenmanager, der in Japan die Abwehr der Krankheit koordinieren soll. Alle Ankömmlinge aus Mexiko müssen derzeit an den internationalen Flughäfen eine Kontaktadresse hinterlassen, auch wenn sie keine Symptome zeigen. Die örtlichen Gesundheitsämter sollen ihren Zustand dann für zehn Tage kontrollieren. Die Regierung kündigte auch an, die landesweiten Bestände des Grippemittels Tamiflu zu überprüfen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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