Schweiz: Oerlikon sucht Rettung in Notverkäufen

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Oerlikon sucht Rettung in Notverkäufen

Der Schweizer Industriekonzern steckt tief in der Krise und versucht, sich am eigenen Schopf aus der Krise zu ziehen. Nun will das Unternehmen die Halbleitersparte Esec an die niederländische BE Semiconductor Industries verkaufen.

ZÜRICH. Der Schweizer Industriekonzern OC Oerlikon versucht, sich am eigenen Schopf aus der Krise zu ziehen. So will das Unternehmen jetzt seine Halbleitersparte Esec an die niederländische BE Semiconductor Industries verkaufen. Das Geschäft mit Wafern und Photomasken (Etch) soll über einen Management-Buyout abgestoßen werden. Beide Bereiche schreiben rote Zahlen. Zum Kaufpreis machte Oerlikon keine Angaben. Einen Befreiungsschlag mochten die Börsianer in den Notverkäufen aber nicht sehen. Der Kursverfall wurde zwar gestoppt, Auftrieb erhielt die Aktie jedoch nicht.

Für Oerlikon-Chef Uwe Krueger bedeutet die Rosskur eine beachtliche Kehrtwende. Noch vor einem Jahr hatte er das Konglomerat als besonders krisenfest verteidigt. Jetzt heißt die Parole: Der Konzern muss gestrafft werden. Selbst ein Verkauf der Sparte Textilmaschinen wird in Züricher Bankenkreisen nicht mehr ausgeschlossen. Auch die Antriebssparte Graziano gilt als Verkaufskandidat. In einer kurzen Pressemitteilung heißt es, Oerlikon wolle sich auf die Bereiche Beschichtungen und Dünnfilme konzentrieren. Bislang erwirtschaftet Oerlikon mit Textilmaschinen noch etwa die Hälfte des Umsatzes von zuletzt 5,6 Mrd. Franken. Die dortigen Einbrüche konnten selbst durch Erfolge im Solargeschäft nicht aufgefangen werden.

Konzernchef Krüger hatte kürzlich die Marktbedingungen als "extreme Herausforderung" bezeichnet. Bereits im vergangenen Jahr hatte Oerlikon 1 000 Arbeitsplätze abgebaut. Jetzt kämen mindestens noch einmal 1 000 Stellen hinzu, bestätigte ein Konzernsprecher. Betroffen von dem Sparkurs ist auch das Werk in Mönchengladbach.

Nicht nur auf der Produktions- und Absatzseite des Konzerns brennt es. Auch finanziell gilt das Unternehmen inzwischen als angeschlagen. Grund sind Spekulationen, Oerlikon könne seine Kreditbedingungen (Covenants) für ein Volumen von etwa 2,5 Mrd. Franken nicht einhalten. Das Unternehmen hat das zwar dementiert, will aber zu seiner finanziellen Lage keine Auskunft geben. Nach Berechnungen von Analysten hat Oerlikon mit einem Verhältnis von Nettoverschuldung zum operativen Ergebnis (Ebitda) von knapp 3,5 die Schmerzgrenze seiner Gläubiger fast erreicht. Krüger sieht hingegen noch genügend Spielraum.

Der Absturz von Oerlikon ist vor allem für den russischen Oligarchen Wiktor Wekselberg eine herbe Enttäuschung. Der Investor ist über seine Beteiligungsfirma Renova mit mehr als 40 Prozent an dem Technologieunternehmen beteiligt. Als Wekselberg im Juli 2006 bei Oerlikon einstieg, war die Aktie mehr als 300 Franken wert. Gestern schwankte der Kurs um 40 Franken.

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