Schweizer Gruppe: Richemont: Luxusgüter werden wahrer Luxus

Schweizer Gruppe
Richemont: Luxusgüter werden wahrer Luxus

Die Wirtschaftskrise trifft die Hersteller von Edelwaren. Die Schweizer Richemont-Gruppe erwartet keine schnelle Erholung.

DÜSSELDORF/PARIS. Die Wirtschaftskrise hat die Luxusindustrie voll erfasst. Die Nachfrage sei in den vergangenen Wochen dramatisch gefallen, teilte der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont mit, einer der führenden Anbieter der Branche. „Richemont sieht sich mit den härtesten Marktbedingungen seit seiner Gründung vor zwanzig Jahren konfrontiert“, erklärte das Genfer Unternehmen. Man gehe davon aus, dass es in der näheren Zukunft keine signifikante Erholung gebe, hieß es weiter.

Der Umsatz des Herstellers von Cartier-Schmuck, Jaeger-LeCoultre-Uhren und Montblanc-Füllern ist zwischen Oktober und Dezember um sieben Prozent auf 1,552 Mrd. Euro gesunken. Währungsbereinigt fiel der Umsatz sogar um zwölf Prozent. Das lag deutlich unter den Schätzungen der Analysten.

Experten sehen darin ein schlechtes Omen für die gesamte Branche. Bei der Ratingagentur Standard & Poor's sagte ein Analyst: „Die Mehrheit der Luxuskonsumenten ist mit der Börse oder dem Immobilienmarkt verbunden. Und die neuen Industrieländer, auf die man zum Ausgleich gehofft hatte, sind auch von der Krise betroffen.“ Der Londoner Analyst Luca Solca vom Vermögensverwalter Sanford C. Bernstein sagte dem Handelsblatt: „Auch Luxusgüter sind von der Konjunktur abhängig. Der globale Luxusmarkt könnte im Jahr 2009 um zehn Prozent einbrechen.“

Anzeichen dafür gibt es bereits: Der Quartalsumsatz des US-Unternehmens Tiffany ging um 21 Prozent zurück. Der Konzern schlug 800 Angestellten vor, in den Vorruhestand zu gehen. Der italienische Luxus-Schuhdesigner Salvatore Ferragamo will in diesem Jahr nur die Hälfte der geplanten Geschäfte eröffnen – also rund 20 Läden verglichen mit 45 im vergangenen Jahr. Der italienische Juwelier Bulgari warnte vor einem Gewinnrückgang und der französische Mode- und Parfüm-Hersteller Chanel kündigte 200 Mitarbeitern mit befristeten Verträgen. Luxusgüter werden zum wahren Luxus.

Der französische LVMH-Konzern, zu dem die Marken Christian Dior und Louis Vuitton gehören, leidet vor allem im Bereich Uhren und Spirituosen in den USA, die Marke Louis Vuitton laufe aber gut, sagte ein Sprecher. Schon im dritten Trimester 2008 stieg der Umsatz der Gruppe allerdings nur noch um sechs Prozent, im zweiten waren es noch zwölf Prozent. Dennoch bleiben die Franzosen optimistisch: „Die Tatsache, dass wir in vielen Bereichen präsent sind – Alkohol, Parfüm, Uhren und Mode – ist eine Stärke. Das wird uns helfen, die Effekte der Krise abzuschwächen“, sagte der Sprecher.

Ein Experte für Luxus der Unternehmensberatung Hudson unterscheidet Luxus und Superluxus in der Krise: „Der Superluxus wird weniger betroffen sein. Die Marken, die auf Qualität setzen und einen wahren Wert bedeuten, werden weniger leiden.“ Dazu gehören Hermès, Chanel, Gucci und Louis Vuitton. Marken wie Burberry könnten dagegen eher Schwierigkeiten haben.

Die Nachfrageschwäche zeichnet sich auch deutlich im Geschäft der Zulieferer für das Luxussegment ab. Der weltweit größte Diamantenkonzern De Beers kündigte an, die Produktion in der ersten Jahreshälfte deutlich zurückzufahren. Zudem sollen die Investitionsausgaben und Erschließungskosten gekürzt werden. Pläne zur Schließung von Minen gebe es nicht, Stellen stehen allerdings auf dem Spiel – zum Beispiel in Kanada, Südafrika, Namibia oder am Hauptsitz in London. De Beers gehört zu 45 Prozent dem Bergbaukonzern Anglo American.

Diamanten braucht Richemont, der zweitgrößte Luxuswarenhersteller der Welt, jetzt wohl erst mal weniger. Im Amerikageschäft muss die Firma einen Umsatzrückgang von knapp dreißig Prozent verkraften. Der einzige Lichtblick ist derzeit wohl das Wachstum in China: Währungsbereinigt legte der Umsatz dort um 24 Prozent zu. Das verhalf dem Geschäft in der Region Asien unter dem Strich zu schwarzen Zahlen. Japan und Europa setzten allerdings ihren Negativ-Trend fort.

Die Richemont-Aktie brach bis zum späten Nachmittag in der Spitze um 5,8 Prozent auf 16,55 Schweizer Franken ein.

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