Schweizer Rohstoffkonzern
Xstrata sieht sich als Fusionspartner

Die Börse rätselt über die Motive des Rohstoffriesen Xstrata. Das Schweizer Unternehmen hat sich unter Führung von Mick Davis mit einer aggressiven Akquistionsstrategie in die Spitzengruppe der Branche vorgearbeitet. Doch nun scheint es sogar bereit, als Juniorpartner in eine Fusion zu gehen.

Dih/HB LONDON. Xstrata teilte am Mittwoch mit, es rede mit mehreren Konkurrenten über die weitere Konsolidierung der Branche. "Wir bestätigen, dass wir mit anderen Unternehmen aus der Branche einen Dialog über Themen gemeinsamen Interesses wie die Konsolidierung der Industrie führen“, heißt es bei Xstrata. Keine dieser Diskussionen habe zu einem Angebot für Xstrata oder von Xstrata geführt. Weiter wollte sich eine Sprecherin dazu nicht äußern.

Analysten zeigten sich überrascht, dass der Konzern nicht ausschließt, selber übernommen zu werden. In der Presse wurden zuletzt die größeren Konkurrenten Anglo American und Vale als Käufer gehandelt. Sie würden damit auf den Versuch des Weltmarktführers BHP Billiton reagieren, den Konkurrenten Rio Tinto zu schlucken. Die Xstrata -Aktie, die innerhalb dreier Monate um ein Drittel im Kurs gestiegen war, gab ein Prozent ab.

Ein Analyst äußerte gegenüber Reuters die Vermutung, Großaktionär Glencore International stecke hinter den Plänen. Der verschwiegene Schweizer Rohstoffhändler hält knapp 35 Prozent an Xstrata. Glencore brauche Geld, um Partner auszuzahlen und könne deshalb auf einen Verkauf von Xstrata drängen. Glencore äußerte sich gestern nicht zu dem Thema.

Xstrata ist 1999 aus der Investmentholding Südelektra hervorgegangen. Mit einer Serie von Zukäufen und Verkäufen wandelte sich der Konzern zu einem Rohstofflieferanten mit einem Börsenwert von einer halben Milliarde Dollar. 2001 übernahm der vormalige Finanzchef von BHP Billiton, Mick Davis, die Führung und brachte das Unternehmen an die Londoner Börse. Dann startete er eine beispiellose internationale Einkaufstour, deren Höhepunkt zuletzt die Übernahme des kanadischen Minenkonzerns Falconbridge für 19 Mrd. Dollar war.

Heute ist Xstrata nach den britisch-australischen Konzernen BHP Billiton und Rio Tinto, der britisch-südafrikanischen Anglo American und der brasilianischen Vale die Nummer fünf auf dem Weltmarkt. Die Schweizer sind der größte Kohleförderer und unter den führenden Produzenten von Kupfer, Nickel und Zink. Der Börsenwert ist innerhalb von sechs Jahren auf 74 Mrd. Dollar gewachsen.

Dass Davis nun seine Schöpfung bereitwillig abgibt, können sich nur wenige Börsianer vorstellen. "Wir sind überrascht, denn wir hatten erwartet, dass Xstrata der Käufer sein würde“, sagte Leslie Phang, Fondsmanagerin der Commonwealth Bank of Australia. Auch Tobias Woerner von MF Global Securities sagte, er tue sich schwer mit der Vorstellung, dass Davis bereit sei, seinen Abschied zu nehmen. Noch in der vergangenen Woche hatte Davis auf einer Investorenkonferenz gesagt, dass kein Konzern so gut für die kommende Konsolidierungsrunde gerüstet sei wie Xstrata.

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