Schweizer suchen Rat
Novartis & Co. setzen auf deutsches Know-how

Immer häufiger bekleiden deutsche Manager einflussreiche Posten in schweizer Firmen. Jüngstes Beispiel ist der Henkel-Chef Ulrich Lehner. Beim größten schweizer Pharmakonzern Novartis soll er zukünftig eine führende Rolle spielen.

ZÜRICH. Deutsche sind statistisch eine der am schnellsten wachsenden Ausländergruppen in der Schweiz. Das bereitet manchen Eidgenossen in der Politik Kopfzerbrechen. In den Unternehmen wird der deutsche Nachwuchs jedoch gern gesehen, vor allem wenn er gleich ganz oben einsteigt: In den Verwaltungsräten, jenen Gremien, die den deutschen Aufsichtsräten entsprechen, bekleiden Manager aus dem „Nachbarkanton“, wie die Eidgenossen Deutschland nennen, immer öfter einflussreiche Posten.

Jüngstes Beispiel: Henkel-Chef Ulrich Lehner soll Vizepräsident des Verwaltungsrats beim größten Schweizer Pharmakonzern Novartis werden. Auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hätte es treffen können. Er ist ebenso wie Lehner bewährtes Ratsmitglied bei Novartis.

Nebenan bei der Konkurrenz von Roche könnte Wiedeking mit seinem ehemaligen Kollegen Horst Teltschik darüber streiten, wer die besseren Sportwagen baut. Teltschik war ja auch mal bei BMW, bevor er Vertreter von Boeing in Deutschland wurde.

Auf Schnelligkeit gepaart mit Solidität, wie sie BMW verkörpert, setzt auch die Großbank UBS. Der größte Vermögensverwalter der Welt hat mit BMW-Vorstandschef Helmut Panke gleich den ranghöchsten Mitarbeiter engagiert. Die deutsche Autobranche hat es den Schweizern, die selbst über keine Automarken mehr verfügen, sowieso angetan. Beim größten Erstversicherer Zurich sitzt Manfred Gentz an der Spitze des Verwaltungsrats. Bis vor zwei Jahren war der Jurist noch Finanzchef bei Daimler-Chrysler.

Es fehlen nur noch zwei eidgenössische Börsenschwergewichte. Der Industriekonzern ABB wurde bis vor kurzem von einem Deutschen geführt. Seit vergangenem Jahr jedoch beschränkt sich Aventis-Gründer Jürgen Dormann auf den Posten des Präsidenten. Aus der Reihe tanzt nur der Lebensmittelkonzern Nestlé – fast: Mit Günter Blobel hat er einen Nobelpreisträger im Aufsichtsgremium, der zwar Amerikaner ist, aber aus Deutschland stammt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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