Schweizer Uhrenindustrie
Nebenbuhler im eigenen Erbhof

In der Schweiz gehen zwei Uhrenkönige gegeneinander in Stellung: Rolex-Chef Patrick Heiniger will sich im mittelschweizerischen Biel breit machen, aber das ist das Terrain von Swatch-Gründer Nicolas G. Hayek.

BIEL. Es gibt Geschichten, die erzählen sich fast von allein. Zum Beispiel die vom Kampf der Uhrenkönige, in der gerade ein neues Kapitel geschrieben wird. In den Titelrollen: Nicolas Hayek, Präsident der Swatch-Gruppe, der nicht zu Unrecht für sich in Anspruch nimmt, die Schweizer Uhrenindustrie dereinst gerettet zu haben und der heute über eine ansehnliche Sammlung exquisiter Uhrenmarken verfügt. Sein Herausforderer heißt Patrick Heiniger und ist Chef von keiner geringeren Marke als Rolex. Wer es sich recht überlegt und auf die 101-jährige Geschichte von Rolex schaut, könnte übrigens auch Hayek für den Herausforderer von Heiniger halten.

Egal. Tatsache ist, dass Rolex in einer seiner ganz seltenen öffentlichen Mitteilungen vor mehr als zwei Jahren bekannt gab, die bis dahin getrennten Gesellschaften in Genf und im mittelschweizerischen Biel zu einer zu verschmelzen, wobei Biel wachsen, ohne dass Genf verlieren sollte. Hayek konnte geneigt sein, dies als Kampfansage zu betrachten, denn Biel ist sein Reich. Hier am Fuße des Jura-Gebirges, in dessen Inneren die Wiege der Schweizer Uhrmacherkunst liegt, hat sich die Swatch-Gruppe niedergelassen. Hier ist auch die Swatch-Marke Omega zu Hause, die Hayek dazu ausersehen hat, gegen Rolex in Stellung zu gehen.

Der Hintergrund von Hayeks Anti-Rolex-Strategie sieht so aus: Im Schmuck- und Uhrenmarkt spielen die vier börsennotierte Konzerne LVMH und Hermes aus Frankreich, sowie die Schweizer Konzerne Richemont und die Swatch-Gruppe führende Rollen. Die Geschäfte brummen, die Zeichen stehen auf Expansion, jedoch sind die prestigeträchtigen Marken nicht mehr zu haben. Hayek will deswegen durch eigenes Wachstum Marktanteile gewinnen. Er schickt mit Omega seine stärkste Marke ins Feld, um es mit der lästigsten Konkurrenz aufzunehmen: Omega dürfte mit Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent Rolex bereits abgehängt haben. „Das ist eine Marke, die sich bewegt“, sagte Nick Hayek, operativer Chef der Swatch-Gruppe kürzlich dazu und fügte – ohne den Namen Rolex ausdrücklich zu erwähnen – hinzu: „Die, die sich nicht bewegen, fallen zurück.“

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