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14.12.2007 
Übernahmekrimi

Schweizer verstärken Heimatschutz

von Oliver Stock

Im einem Züricher Tagungsort spielt sich heute Vormittag ein weiteres Kapitel in einem Übernahmekrimi ab, dessen Ende noch nicht geschrieben ist. Der Schweizer Baukonzern Implenia wehrt sich trickreich gegen eine Übernahme durch den britischen Hedge-Fond Laxey – und der Gesetzgeber leistet Schützenhilfe.

ZÜRICH. Vordergründig geht es dabei um den größten Schweizer Baukonzern Implenia, den der britische Hedge-Fond Laxey übernehmen will. Dahinter steht jedoch die Sorge der zweiten Liga schweizerischer Unternehmen, zunehmend Objekt von Spekulanten zu werden. Und Implenia wird vor diesem Hintergrund zum Beispiel für einen neuen Erfindungsreichtum eidgenössischer Unternehmen, die insbesondere ausländische Investoren nicht mit offenen Armen empfangen wollen.

Implenia ist vor rund zwei Jahren an die Börse gegangen. Es dauerte nur Monate, bis mit Laxey eine echte Heuschrecke bei Implenia einstieg. Die Briten haben Schritt für Schritt ihre Beteiligung an Implenia auf inzwischen 33,1 Prozent erhöht und danach das nach Schweizer Recht fällige Pflichtangebot an die anderen Aktionäre unterbreitet. Es liegt allerdings so niedrig, dass kaum jemand darauf eingehen wird. Dahinter steckt die Absicht, nach Ablauf der Angebotsfrist die Position am Markt weiter auszubauen. Eine Mehrheit, so die Kalkulation des Hedge-Fonds, dürfte sich später gewinnbringend verkaufen lassen.

Implenia schaut diesem Treiben nicht untätig zu. Verwaltungsratspräsident Anton Affentranger hat sich im Implenia -Köcher auf die Suche nach Giftpfeilen begeben, mit denen er die Übernahme abwehren kann. Gefunden hat er ein schon beinahe abgeschafftes Gesetz, das den Erwerb von Wohnimmobilien durch Ausländer beschränkt. Da Implenias Geschäftsmodell so aussieht, dass Grundstücke gekauft, Immobilien gebaut und das Ganze wieder verkauft wird, wäre genau das unter ausländischer Eigentümerschaft in Gefahr, argumentiert Affentranger. Folgerichtig dürfe Laxey trotz seines Drittel-Anteils nur 4,9 Prozent der Stimmrechte erhalten.

Unterstützung erhält Affentranger aus Politik und Verwaltung. So saß er beispielsweise vor zwei Wochen auf einer Tagung in Bern gemeinsam mit Johann Schneider-Ammann und Franz Stirnimann auf dem Podium. Der erste ist einflussreicher Politiker, Unternehmer und Präsident des Metallverbandes. Ihm ist es im Sommer gelungen, ein Gesetz in der Schweiz auf den Weg zu bringen, das Transparenzrichtlinien verschärft und Unternehmensübernahmen dadurch erschwert. Der zweite ist Chef der Abteilung Börsen und Märkte in der Eidgenössischen Bankenkommission. Er leitet in dieser Funktion Untersuchungen gegen Unternehmen, die gegen Transparenzvorschriften verstoßen. Laxey gehört damit derzeit zu seinen heiklen Fällen.

Die außerordentliche Generalversammlung heute wird für Affentranger auch ohne die prominente Unterstützung noch zum Heimspiel, weil Laxey ja eben nur über eine Hand voll Stimmrechte verfügt und damit die Klausel, die den Fonds behindert, nicht kippen kann. Laxey weiß das und verspricht sich deswegen auch von einem Gerichtsverfahren, in dem der Hedge-Fond seine Stimmrechte einklagen will, mehr als von der Aktionärsversammlung. Allerdings braucht so ein Verfahren Zeit. "Zwei Jahre“, schätzt ein Rechtsvertreter. Deswegen rührt Laxey in der Schweiz die publizistische Werbetrommel und warnt andere Investoren vor dem "neuen Heimatschutz“, den die Eidgenossen hochziehen. Nicht zu unrecht, wie der Fall Implenia zeigt.

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