
DÜSSELDORF. Auf China sind viele Afrikaner gut zu sprechen. Die Asiaten investieren kräftig auf dem Kontinent und verbessern die Infrastruktur etwa durch den Bau von Brücken. So sichert sich China den Zugriff auf Rohstoffe und Technik – und das nicht nur in Afrika. Weltweit kaufen chinesische Unternehmen im großen Stil zu.
Auch Konzerne aus anderen Schwellenländern fühlen sich mittlerweile stark genug für große Zukäufe. So erweitern sie ihre Marktpräsenz und ihre Produktpalette. Im ersten Halbjahr 2010 hatten Unternehmen aus Schwellenländern an den weltweiten Übernahmen schon einen Anteil von 32 Prozent. Sie gingen mit nicht weniger als 388,6 Mrd. Dollar auf Einkaufstour – und stießen damit in neue Dimensionen vor. Auch den weltgrößten Deal des ersten Halbjahres machten die Schwellenländer unter sich aus. Für 27,5 Mrd. Dollar kaufte der mexikanische Telekomkonzern America Movil den Konkurrenten Carso Global Telecom. Nigeria war Schauplatz der 10,7 Mrd. Dollar schweren Übernahme des Mobilfunkers Zain Africa durch Bharti Airtel, einem Konzern mit indischen Wurzeln. Auch auf dem Rohstoff-Sektor bewegte sich viel. Der kasachische Konzern Kazakh-Gold etwa kaufte für 10,3 Mrd. Dollar das russische Unternehmen Polyus Zoloto. In Papua-Neuguinea übernahm Newcrest Mining den Konkurrenten Lihir Gold für 8,6 Mrd. Dollar.
Noch nie gesehene Entwicklungen gab es auch in Brasilien. Im ersten Quartal dieses Jahres kauften erstmals brasilianische Firmen für mehr Geld Firmen im Ausland auf, als ausländische Firmen in Brasilien investierten. Einer der Großdeals: Vale, brasilianischer Weltmarktführer bei Erzen, übernahm für 3,8 Mrd. Dollar die Düngemittelfirma Fosfertil des US-Traders Bunge.
Unangefochten an der Spitze der kaufwütigen Schwellenländer aber steht China. Auch im ersten Halbjahr 2010 führte die Volksrepublik mit einem Volumen von 82 Mrd. Dollar (plus 22 Prozent) das Ranking der größten Investoren unter den Schwellenländern an. Als besonders wachstumsstark zeigten sich auch Mexiko (plus 5,6 Prozent auf 42,9 Mrd. Dollar), Malaysia (plus 419 Prozent auf 9,3 Mrd. Dollar), Indien (plus 289 Prozent auf 47,8 Mrd. Dollar) und Chile (plus 229 Prozent auf acht Mrd. Dollar). Nur um Deutschland machen die Einkäufer aus den Schwellenländern einen weiten Bogen. „Der erwartete Rückenwind für den deutschen M&A-Markt blieb bisher aus“, schreibt das Fachblatt für Fusionen und Übernahmen, „M&A Review“.