Schwere Schlappe für Pratt & Whitney
Rolls-Royce erhält Milliardenauftrag

Der amerikanische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing hat die beiden Triebwerkshersteller General Electric und Rolls-Royce als Zulieferer für seine neue Flugzeugfamilie 7E7 Dreamliner ausgewählt. Dies gab Boeing am Dienstag nach Börsenschluss bekannt.

and/ebe/je LONDON. Der Wert der Triebwerke inklusive späterer Wartung und Ersatzteillieferungen könne über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren etwa 40 Mrd. $ erreichen, schätzen Branchenexperten. Die britische Rolls-Royce hofft langfristig sogar auf ein Geschäft von bis zu 50 Mrd. $ mit den neuen Dreamliner-Triebwerken. Branchenschätzungen zufolge kosten die Triebwerke knapp 10 Mill. $ pro Stück.

Wichtig sei neben dem Verkauf vor allem die spätere Wartung der Triebwerke, sagte ein Rolls-Royce- Sprecher in London. Der Service-Bereich mache bereits rund 50 % des gesamten Konzernumsatzes bei Rolls-Royce aus. Die Entwicklung des eigenen Modells „Trent 1000“ soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Nach dem Test der Prototypen im Jahr 2006 ist für 2008 die Auslieferung geplant. Welche Stückzahl am Ende produziert wird, hängt nun von den 7E7-Kunden ab, die zwischen den Triebwerken von Rolls-Royce und General Electric auswählen können. Der britische Hersteller entwickelt und produziert auch im deutschen Werk Berlin-Dahlewitz. Derzeit sei aber noch nicht absehbar, welche Auswirkungen der Großauftrag auf das deutsche Werk haben könnte, sagte der Rolls-Royce-Sprecher.

Boeing teilte gestern mit, dass der Konzern während der kommenden 20 Jahre mit einem Bedarf von 2 000 bis 3 000 Flugzeugen im 7E7-Marktsegment rechne. Das Unternehmen erhalte kontinuierlich starken Kundenzuspruch, sagte 7E7-Programmchef Mike Bair gestern in einer Telefonkonferenz. Boeing will in diesem Jahr den ersten 7E7-Kunden präsentieren und hat eigenen Angaben zufolge bereits konkrete Angebote an Fluggesellschaften abgegeben. Nach Handelsblatt-Informationen aus Branchenkreisen ist neben Singapore Airlines auch die Lufthansa als Erstkunde für das neue Boeing-Modell im Gespräch. Der 7E7 Dreamliner soll die in die Jahre gekommenen und deshalb von Airlines kaum noch nachgefragten Boeing-Baureihen 757 und 767 ersetzen und dabei 20 % weniger Treibstoff verbrauchen als Flugzeuge der heutigen Generation. Die neuen Triebwerke werden nach Darstellung von Programmchef Bair zudem deutlich weniger Abgase ausstoßen. 2008 soll das zweistrahlige Flugzeug auf den Markt kommen. Boeing will die 7E7 in drei Varianten anbieten: Neben dem Standardmodell für 217 Passagiere soll es auch einen Kurzstreckenjet für 289 Passagiere sowie eine gestreckte Drei-Klassen-Version für 257 Fluggäste geben.

Großer Verlierer der Boeing-Ausschreibung ist Pratt & Whitney (P & W), die Triebwerkssparte des US-Mischkonzerns United Technologies. Die Entscheidung gegen den dritten Anbieter sei „sehr knapp“ gewesen, sagte Bair. Luftfahrtanalysten zufolge ist das ein schwerer Schlag für den einstigen Marktführer P & W. Der US-Anbieter hält heute nur noch knapp ein Fünftel des Marktes für neue Triebwerke – weit hinter General Electric (GE) mit mehr als 50 % und dem Aufsteiger Rolls Royce mit rund 30 %. Der große Mischkonzern GE hat über seinen Leasing-Arm Gecas Einfluss auf die Flottenpläne vieler Airlines.

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